Charlottenburg : Am Bahnhof Zoo entsteht jetzt eine neue Skyline

Zurzeit werden Fundamente für das „Zoofenster“ gelegt. Auch das Schimmelpfeng-Haus soll dem Neubau weichen. Die Bauarbeiten sollen noch bis nächstes Frühjahr andauern.

Udo Badelt,Cay Dobberke

Gleich zwei 118-Meter-Hochhäuser sind seit vielen Jahren nahe dem Bahnhof Zoo geplant – nun kommt zumindest eines der Projekte sichtbar voran: Zwischen Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße setzen Bagger und Kräne zurzeit die Fundamente für das „Zoofenster“. Längst verschwunden sind hier die Reste des einstigen Teppich-Kibek-Geschäfts auf dem Gelände.

Die Arbeiten in der Baugrube seien wegen der dichten Bebauung ringsum und der nahen U-Bahnlinien kompliziert und dürften bis Februar 2009 dauern, sagten Projektmanager der Berliner BIC Ingenieur-Consulting. Investoren aus Abu Dhabi wollen den 200 Millionen teuren Neubau im Frühjahr 2011 eröffnen. Für ein Luxushotel stehen Verhandlungen mit einem Betreiber angeblich „vor dem Abschluss“. In den Vorjahren waren mehrere Interessenten abgesprungen. Auch Büros und Wohnungen sind geplant.

Für das zweite Hochhaus namens „Atlas Tower wollen andere Bauherren auch das benachbarte Schimmelpfenghaus abreißen, das zwischen 1957 und 1960 von Gustav Sobotka und Franz Heinrich Müller errichtet wurde. Schon 2004 hatte der Eigentümer Casia, der heute EH Estate heißt und zur Eurohypo Bank gehört, den Abbruch angekündigt. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erteilten die Genehmigung, obwohl das Haus unter Denkmalschutz steht.

Nur hat sich bisher nicht viel getan, da Mieter für den Neubau fehlen. Die EH Estate will auch nicht selbst bauen, sondern das Areal verkaufen. Gespräche mit einem Interessenten verliefen anscheinend schwierig. Derzeit „sind wir in Nachverhandlungen“ , heißt es.

Die Zoofenster-Baustelle nebenan weckt neue Hoffnungen, dass auch beim Schimmelpfenghaus etwas passiert: „Das gibt natürlich einen Schub“, sagt Sprecherin Manuela Damianakis von der Stadtentwicklungsverwaltung. Geplant ist ein „Neues Schimmelpfenghaus“, das eigentlich aus zwei acht- und neunstöckigen Gebäuden nördlich und südlich der Kantstraße besteht. Die Überbauung der Straße soll aufgegeben und der Breitscheidplatz an dieser Stelle geöffnet werden. Dahinter entstünde der „Atlas-Tower“, den der Architekt Christoph Langhof bereits 1996 entworfen hat. Wenn dann auch noch das geplante Riesenrad am Zoo eröffnet, bekäme die westliche Innenstadt eine neue Skyline.

Dagegen hat der Verein „Denk mal an Berlin e.V.“ im Prinzip nichts. Trotzdem rufen die privaten Denkmalschützer zur Rettung des Schimmelpfenghauses auf. „Es ist ein erhaltenswertes Beispiel dafür, wie die Nachkriegsmoderne Elemente der Moderne und der Tradition kombinierte“, sagt Roman Hillmann, der an der TU Architekturgeschichte lehrt. In seiner Promotion hat er untersucht, wie sich die Wahrnehmung der 50er-Jahre-Bauten verändert hat. „Das Schimmelpfenghaus schließt den Breitscheidplatz nach Westen ab und lässt so gerade keine Hinterhofsituation entstehen.“ Zudem würden durch die Überbauung der Kantstraße optisch nur zwei Straßen – Kurfürstendamm und Hardenbergstraße – nach Westen wegführen; dadurch gebe es eine Symmetrie mit den beiden östlichen Zufahrtstraßen, die der Breitscheidplatz früher nie hatte.

Hillmann und seine Mitstreiter plädieren dafür, den Atlas-Tower ohne neue Vorbauten mit dem Schimmelpfenghaus zu kombinieren. „Rund ums Schloss will man Alt-Berlin wieder aufbauen“, sagt Hillmann, „und hier reißt man historische Bausubstanz ab.“ Zumindest die Grünen in der City-West hat er auf seiner Seite: In einem neuen BVV-Antrag fordert die Fraktion ebenfalls die Erhaltung des Baudenkmals.

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