Charlottenburg : Gedächtniskirche ohne Weihnachtsbaum

Alle Jahre wieder gab es was zu lästern über den Weihnachtsbaum an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Nun soll ein 27 Meter hoher Leuchtkegel Abhilfe schaffen.

von
Lichtgestalt. Der Entwurf für die Illuminierung des Breitscheidplatzes stammt vom Designer Andreas Boehlke.
Lichtgestalt. Der Entwurf für die Illuminierung des Breitscheidplatzes stammt vom Designer Andreas Boehlke.Foto: Promo

Zu hässlich, zu wenig Grün, zu schief oder in der Mitte durchgebrochen. Einem Baum wurde über Nacht sogar die Spitze abgesägt. Alle Jahre wieder gab es etwas zu lästern über den Weihnachtsbaum an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Doch damit ist voraussichtlich in diesem und wohl auch im nächstem Jahr Schluss. Wenn es dort beim Weihnachtsmarkt vom 22. November bis zum 2. Januar wieder nach gebrannten Mandeln, heißem Kakao und Glühwein duftet, wird es am Breitscheidplatz keine echte Tanne geben. Dafür soll ein 27 Meter hoher „Lichtkegelbaum“ aus weißem Transparentstoff in den Himmel ragen, der von innen und außen beleuchtet wird: Zum leuchtendem Grün könnten etwa goldene Weihnachtskugeln projiziert werden.

„Es gibt keine Alternative“, sagt Licht-Designer Andreas Boehlke. „Wegen des Baugerüstes an der Gedächtniskirche bleibt kein Platz für einen Baum.“ Er hat sich die Baumvariante ausgedacht, die rund eine Tonne schwer sein werde. „Jedes Jahr wurde unser Weihnachtsbaum kritisch beäugt und kommentiert. Dieses Mal hätten wir nur ein Minibäumchen hinstellen können. So wurde die Idee mit der Lichtskulptur geboren“, verteidigt auch Christian Wagner, Sprecher des Berliner Schaustellerverbandes, die Idee. Platz für die etwa 170 Weihnachtsstände werde es auf dem Platz trotz der für die Sanierung weiträumig eingerüsteten Gedächtniskirche dennoch ausreichend geben. Der Markt werde in Richtung Neues Kranzler-Eck verlängert.

Eine gänzlich geglückte Weihnachtsbaumanlieferung am Breitscheidplatz gab es in der Vergangenheit so gut wie nie. Mal erwies sich eine schwedische Tanne als zu mickrig und wurde teilweise an die Zoo-Elefanten verfüttert. Ein anderes Mal zerbrach ein Baum beim Aufstellen und 2003 hatte ein als Kirchenstörer bekannter Querulant die Baumspitze abgesägt.

Morale Paulo, Geschäftsführer des Eiscafés „La Fontana“ am Wasserklops, ist skeptisch. Er kann sich ein Fest ohne Weihnachtsbaum an der Gedächtniskirche nicht vorstellen. „Da fehlt doch jegliche Atmosphäre.“ Monika Edelmann vom Souvenirladen am Platz sieht es gelassener. „ Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, aber mit Licht kann man ja viel machen.“ In Berlin werde immer erst gemeckert, sagt Schausteller-Sprecher Wagner. Man solle sich die Installation erst einmal anschauen. „Ich kann mich noch an die Verhüllung des Reichstags durch Christo erinnern. Da haben auch erst alle gestöhnt und waren dann begeistert.“

Mithilfe eines Gerüstes soll der Weihnachtsbaumkegel mit einem Durchmesser von 15 Meter direkt über dem sogenannten Wasserklops positioniert werden. Gerade werde der Baum auf Boehlkes Betriebsgelände vom TÜV auf seine Statik und Standsicherheit geprüft. Danach soll der Baum kurz vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

Christian Wagner ist sich sicher, dass der Lichtkegelbaum die Attraktion des Weihnachtsmarktes werden wird: „Vor allem für unsere Gäste und kunstinteressierte Berliner wird das ein echtes Erlebnis.“ Ein weiterer Höhepunkt sei für den 31. Dezember geplant. „Um 18, 20, 22 und 24 Uhr versuchen wir mit vier Feuerwerken einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde zu erzielen“, sagte Wagner. Gemeinsam mit den Ländern der Zeitzonen Malediven, Singapur, Russland und zuletzt Deutschland wolle man so gebührend den Jahreswechsel feiern.

Autor

11 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben