Berlin : Charlottenburg: Neues Wehr schützt Grundwasser und Vegetation

CD

"Das Wehr ist eigentlich wichtiger als die Schleuse", sagte gestern der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Berlin, Hartmut Brockelmann. Denn die neue Staustufe neben der Charlottenburger Schleuse regelt den Wasserstand und damit auch die Fließgeschwindigkeit der Spree bis zum Mühlendamm in Mitte; ein Ausfall hätte "katastrophale Folgen für die betroffenen Stadtgebiete", meint Brockelmann. Der Grundwasserpegel würde in kurzer Zeit um zwei Meter fallen, unzählige Pflanzen wären bedroht. Damit es dazu nicht kommt, wurde nun der rund zehn Millionen Mark teure Neubau zwischen Jakob-Kaiser-Platz, Tegeler Weg, der Stadtautobahn und Kleingartenkolonien am Schlossgarten fertiggestellt.

20 Meter entfernt lag eine alte Wehranlage, die inzwischen demontiert wurde. Bei einer Inspektion des 1883 bis 1885 errichteten Bauwerks zeigte sich vor fünf Jahren, dass die "Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war". Sicherheitshalber wurde der untere Teil des Wehres sofort mit stützenden Materialien gefüllt. Gleichzeitig beschlossen die Wasserbehörden den Ersatz-Neubau.

Die so genannten Ober- und Unterschütze und die Wehrbrücke aus Stahl wurden im bayerischen Aschaffenburg hergestellt, auf dem Wasserweg nach Berlin transportiert und hier per Schwimmkran montiert. Dagegen entstanden die Pfeiler und Widerlager direkt an der Baustelle aus Stahlbeton. 300 Ankerpfähle schützen die Sohle vor Auftriebskräften. Außerdem wurde die Uferböschung auf 120 Metern Länge mit Klinkerplatten gesichert.

Die Errichtung des Wehres hängt nicht mit dem umstrittenen "zweiten Spreedurchstich" in der Nachbarschaft zusammen. Im Rahmen des Verkehrsprojekts "Deutsche Einheit 17" lässt die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes derzeit auch die Schleuse Charlottenburg neu bauen, damit 110 Meter lange Großgüterschiffe zwischen dem Westhafen und Hannover verkehren können. Teile der Spree werden begradigt. Die Arbeiten sollen 2003 abgeschlossen sein. Zahlreiche Kleingärten mussten dem Vorhaben trotz Protesten der Nutzer und ihrer Verbände weichen. Naturschützer haben ein Aktionsbündnis gegen den Spree-Ausbau gegründet. Sie halten das Projekt für überflüssig und bezweifeln Berechnungen, nach denen der Güterschiffsverkehr stark zunehmen soll.

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