Charlottenburg : Tauziehen um die Ku’damm-Bühnen

Geplanter Umzug an Uhlandstraße entzweit Intendant und Investor. Heftige Debatte bei Versammlung.

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Zwischen allen Stühlen. So fühlt sich Intendant Martin Woelffer, der einen Theaterneubau am Ku’damm akzeptiert hatte, nun aber an...

Im Streit um die Zukunft der Ku’damm-Bühnen ist der Gesprächsfaden zwischen dem irischen Investor Ballymore und Intendant Martin Woelffer gerissen: Seit Stararchitekt David Chipperfield vor einem Monat vorschlug, beim Umbau des Ku’damm-Karrees die Komödie an die Uhlandstraße zu verlagern und am Boulevard höchstens eine Studiobühne mit 100 Sitzen zu belassen, kommuniziere man „nur noch über Anwälte“, sagte Woelffer am Freitag. Er beruft sich auf seine Vereinbarung mit Ballymore vom Dezember 2008, die als Ausgleich für den Abriss der zwei alten Bühnen einen Theaterneubau direkt am Ku’damm vorsah.

An einer Bürgerversammlung zum Gesamprojekt Ku’damm-Karree, zu dem die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf gestern Abend eingeladen hatte, nahm Woelffer nicht teil. Neue Irritationen löste dort Ballymore-Vertreter Ralf Bock mit dem Hinweis aus, eine Vereinbarung über den Mieterlass für das Theater und die Komödie laufe in diesem Monat aus. Ob ab April Mietzahlungen verlangt werden, stehe noch nicht fest. Woelffer hatte schon vor Monaten finanzielle Probleme durch einen Besucherrückgang beklagt; anscheinend sei es vielen Theaterfreunden gar nicht bekannt, dass die Boulevardbühnen trotz der Auseinandersetzungen noch existieren.

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Den Hinweis des Ballymore-Vertreters auf mögliche Mietforderungen empfanden BVV-Politiker als Drohung. Harald Müller vom Architektenbüro Chipperfield versuchte die Wogen zu glätten: Nach Ostern sei ein Gesprächstermin mit den Woelffers geplant. Das Ku’damm-Karree solle Theaterstandort beiben. Man habe „erst angefangen, Varianten zu prüfen“ und sich keineswegs auf die Verlagerung festgelegt. Denkbar sei, dass nur das Theater am Ku’damm abgerissen wird und die Komödie am alten Ort bleibt.

Bezirkspolitiker von SPD und Grünen nannten den möglichen Verbleib der Komödie am Ku’damm eine erfreuliche Überraschung. Bei der ersten Präsentation der neuen Pläne hatte diese Variante nur eine Nebenrolle gespielt. Vertreter des Investors sprachen gestern auch mit Kulturstaatssekretär André Schmitz. Dieser und der Regierende hatten zuvor die Theaterverlagerung zur Uhlandstraße abgelehnt. Die BVV forderte schon vor Monaten die Erhaltung beider Theater im jetzigen Zustand. Ballymore beauftragte daraufhin Architekt Chipperfield, um einen Durchbruch zu erreichen.

Nach dessen Entwurf entstünde eine Freiluftpassage mit Geschäften, die vom Kurfürstendamm bis zu einem „Max-Reinhardt-Platz“ mit dem Theater an der Stelle des bisherigen Parkhauses in der Uhlandstraße reicht. Die Komödie läge dann 180 Meter vom Ku’damm entfernt.

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