Berlin : Charlottenburger CDU-Stadtrat gegen Umbenennung der "Schlesien-Oberschule"

Cay Dobberke

Ist Schlesien nur noch ein "rein historischer Begriff", und kann der Name "Schlesien-Oberschule" den Verdacht erwecken, in Charlottenburg würden die Ostgrenzen nicht allseits anerkannt? So sehen es zumindest die Lehrer und Eltern in der Schule an der Schlossstraße 55a. Sie wünschen die Umbenennung in "Oppenheim-Oberschule" und werden dabei von SPD und Grünen unterstützt. Doch CDU-Bildungsstadtrat Andreas Statzkowski lehnt das Ansinnen ab. In der morgigen BVV-Sitzung wird er voraussichtlich von der rot-grünen Mehrheit formal "gerügt" - auch weil er "ein Jahr benötigte, um Stellung zu beziehen", wie es im SPD-Antrag heißt.

Tatsächlich hatten die Vertreter der Eltern und Lehrer die Umbenennung schon im Mai 1998 beantragt. Die Schulkonferenz schrieb, der in den 50er Jahren Jahre gewählte Name (1922 lautete er zunächst Elisabeth-Schule) könne heute zu dem Missverständnis führen, dass man die Ziele "restaurativer Interessenverbände" unterstütze. Der Name Oppenheim liege historisch nahe: Auf dem selben Grundstück an der Schlossstrasse steht auch die "Villa Oppenheim", in der das Kunstamt residiert. Einst war das Haus die Sommerresidenz von Margarethe Oppenheim (1823 bis 1890). Diese stammte aus der bekannten jüdischen Familie Mendelssohn und war die Frau des sozial eingestellten Bankiers Otto Georg Oppenheim.

Von dem Antrag erfuhr die BVV erst im März, als eine Elternvertreterin beklagte, dass Statzkowski trotz Nachfragen nicht geantwortet habe. Der Stadtrat sagte gestern, er habe zunächst Kontakt zur sächsischen Staatskanzlei aufgenommen. Das führte mit zur Ablehnung: Teile Niederschlesiens gehörten noch zu Sachsen und seien in der Landesverfassung erwähnt, fand Statzkowski heraus. Also sei Schlesien nicht Geschichte. Zudem forderte er, die Schule solle lieber wie die Goerdeler-Europaschule und die Waldgrundschule Kontakte nach Polen knüpfen. Es liege kein "besonders begründeter Ausnahmefall" vor, wie ihn das Landesschulamt für Umbenennungen verlangt.

SPD-Fraktionschef Reinhard Naumann nennt die Ablehnung "oberlehrerhaft" und "bevormundend". Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ute Maierhofer ärgert sich, dass der Stadtrat den BVV-Schulausschuss nicht von sich aus informierte: "Wenn sich Konflikte anbahnen, muss das geschehen." Die geplante Rüge ist ein politisches Signal, hat aber keine direkten Folgen. Zur Schulnamensänderung könne man den Stadtrat wohl nicht zwingen, heißt es.

Bezeichnungen wurden nach 1989 reihenweise in den Ost-Bezirken geändert, aber fast nie im Westen. Eine Ausnahme gab es 1998 in Schöneberg: Gegen das Votum der CDU wurde der Wunsch der Fritz-Haber-Oberschule am Tempelhofer Damm erfüllt, den Namen des deutsch-jüdischen Physikers abzulegen. Der Nobelpreisträger gilt auch als Erfinder des Giftgases. Der neue Name erinnert an Luise und Wilhelm Teske, die Juden zur Nazizeit versteckt hatten.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben