Checkpoint Charlie : CDU gegen Museum des Kalten Krieges

Die Berliner CDU lehnt das von Kultursenator Thomas Flierl am ehemaligen Alliierten-Grenzübergang Checkpoint Charlie vorgeschlagene Museum des Kalten Krieges ab.

Berlin (09.09.2005, 12:46 Uhr) - "Ein solches Museum würde die Schrecken der Mauer zu sehr auf den weltpolitischen Konflikt reduzieren", sagte der CDU-Landesvorsitzende Ingo Schmitt am Freitag. Das Leiden der Menschen an der Mauer werde dabei zu wenig berücksichtigt. Die CDU wolle stattdessen an den vielen authentischen Orten in Berlin die Erfahrungen mit Diktatur und Verfolgung, Flucht, Widerstand gegen die SED-Herrschaft und Alltagserfahrungen der geteilten Stadt erlebbar machen.

Die CDU legte dazu am Freitag ein eigenes Konzept zum Mauergedenken vor, das als Alternative zu Flierls Vorschlägen ins Abgeordnetenhaus eingebracht werden soll. «Das Kunststück in einem solchen Konzept wird sein, Stadt- und Weltgeschichte miteinander zu verknüpfen», sagte Prof. Manfred Wilke, Leiter der Arbeitsgruppe Mauergedenken und stellvertretender CDU-Vorsitzender.

Der Kernpunkt in Flierls Konzept, das Gedenken an die Maueropfer im Dokumentationszentrum Bernauer Straße zu konzentrieren, sei richtig, sagte Schmitt. Die jetzige Gedenkstätte erinnere aber mehr «an Mauer-Disney» als an die schrecklichen Verhältnisse der DDR- Grenzanlagen. «Hier müssen wir realitätsbezogen nachbessern.» Gezeigt werden müssten auch Wachtürme, Hundelaufbänder, Panzersperren und Stacheldrahtzäune.

Schmitt betonte, die Bundesregierung müsse ein Konzept zum Mauergedenken auch finanziell stark unterstützen. «Die Mauer ist keine Angelegenheit der Stadt, sondern ein Symbol des Landes.» Die CDU wolle auch den vom Bundestag beschlossenen Antrag aufgreifen, das Brandenburger Tor als Symbol der Freude für die Überwindung der Teilung einzubinden. Ferner sollten Orte wie die East Side Gallery, der Tränenpalast an der Friedrichstraße und das Notaufnahmelager Marienfelde einbezogen werden.

Schmitt und Wilke kritisierten den Abriss der von Museumschefin Alexandra Hildebrand privat errichteten mehr als 1000 Holzkreuze am Checkpoint Charlie. Um diese Lücke der Erinnerung zu schließen, schlägt die CDU vor, auf der leeren Fläche westlich des Abgeordnetenhauses die Mauer erfahrbar zu machen. Auf dem Areal, das jetzt als Parkplatz genutzt wird, könne die tatsächliche Ausdehnung des Grenzstreifens dargestellt werden. (tso)

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