Checkpoint Charlie : Würstchen auf Rädern

Absurdes vom Checkpoint Charlie: Weil es für die festen Verkaufsbuden keine Baugenehmigung gab, stehen dort nun mobile Buden. Wie es mit dem Gelände zwischen Zimmer-, Friedrich- und Mauerstraße weitergeht, bleibt unklar.

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Budenwald am Checkpoint Charlie. Der Dönerwagen und die Würstchenbude haben Rollen. So gelten sie als eine Art Bauchladen – und brauchen auf einem Privatgelände keine Genehmigung. Foto: Patrick Raczek
Budenwald am Checkpoint Charlie. Der Dönerwagen und die Würstchenbude haben Rollen. So gelten sie als eine Art Bauchladen – und...

Die Würstchenbude hat Räder. Die sind winzig, aber wichtig. „Ohne Räder dürften wir ja jetzt nicht hier stehen“, sagt die Würstchenverkäuferin und wendet ihre brutzelnde Ware auf dem Grillrost. Die Bude steht direkt am Checkpoint  Charlie und ist Teil einer absurden Geschichte um die derzeitige Nutzung des Geländes zwischen Zimmer-, Friedrich- und Mauerstraße in Mitte: Etwa ein Dutzend feste Verkaufsbuden ohne Räder stehen seit gut einem Dreivierteljahr dort mit geschlossenen Rollläden – weil sie ohne Baugenehmigung aufgestellt worden waren. „Freedom Park“ heißt dieses Budenensemble mit der Adresse Friedrichstraße 205. Verkauft wird trotzdem weiter, nur eben auf Rädern.

Denn Baugenehmigungen gibt es immer noch nicht. Direkt vor den geschlossenen Containern parken deswegen jetzt zwei fahrbare Buden. Neben der rollbaren Würstchenbude hat ein Dönerverkäufer seinen rostigen Verkaufswagen geparkt – direkt vor einem Dönercontainer. Gerade verlässt der Verkäufer kurz den Wagen, um die Rollläden im Container, die halb hochgezogen waren, wieder herunterzulassen. Die beiden Buden gehören offensichtlich zusammen. Über die ganze Geschichte reden will der Verkäufer auf keinen Fall.

Dabei ist diese spezielle Art der Wiedereröffnung offenbar legal – sagt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU): „Auch wenn die Stände groß sind, sind es im Prinzip Bauchläden.“ Und die bräuchten auf einem Privatgelände keine spezielle Nutzungserlaubnis: „Wenn sie eine Reisegewerbekarte haben, ist die Sondernutzung enthalten.“

Wesentlich weniger klar ist, wie es mit dem Gelände, auf dem immer noch das Dutzend geschlossene Container herumsteht, weitergeht. Die Sache mit den Baugenehmigungen sei „schwammig“, sagt Spallek. Selbst der Stadtrat bleibt in seinen Antworten sehr vage, will nicht ins Detail gehen, weil vieles an dem Verfahren nicht öffentlich sei. Zwar habe es zwischendurch sogar acht bis zwölf Bauanträge gegeben, doch jetzt liege seines Wissens keiner mehr vor. Die Anträge seien zurückgezogen worden. Die Geschichte sei wohl vor allem deshalb so schwierig, weil außer dem Eigentümer, einer irischen Firma, auch noch ein Zwangsverwalter und eine Firma mitmische, die das Gelände gemietet hat. Und die Containerbetreiber. Spallek deutet Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Parteien an.

Und dann sind da auch noch ungeklärte Konflikte zwischen diesen Parteien und dem Bezirksamt: Spalleks Behörde hat schon vor etwa einem Dreivierteljahr ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Bauens ohne Baugenehmigung angestrengt. Und das wird wohl noch einige Zeit dauern.

„Ein vollständiger Bauantrag müsste wahrscheinlich positiv beschieden werden“, sagt Spallek. Im Prinzip müsse alles genehmigt werden, was in die Gegend passe. Und eine einstöckige Imbissbude könne man nicht verbieten, wenn gleich nebenan ein fünfstöckiges Haus mit einem Imbiss stehe. „Auch wenn ich mir politisch etwas anderes wünschen würde, kann der Bezirk wenig dagegen tun“, sagt Spallek.

Von einem Kleinkrieg, der auf politischer Ebene gegen die Betreiber des Geländes laufe, spricht hingegen Patrice Lux, Kurator der Mauerkunstwerke, die zwischen den geschlossenen Buden stehen. „Das sind keine Container sondern Tüv-geprüfte moderne Glaspavillons, für die man eigentlich keine Baugenehmigung braucht.“