Berlin : Cheese, Knautschke!

Porträts der Zootiere im Ephraim-Palais zu sehen

Paul Dalg

Das Fotomodell zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Am Hals sieht man mehrere Fettrollen, sein Hinterteil ist quer über das ganze Bild gestreckt. Ein pelziges Hinterteil. Große Pfoten. Nun ja, bei einem Eisbären auch nichts Ungewöhnliches. Faszination Faulheit.

Er und etwa 100 andere Schwarzweißbilder des Fotografen Friedrich Seidenstücker sind der Geheimtipp der Ausstellung „Affentheater und andere Viechereien“, die seit wenigen Tagen im Ephraim-Palais läuft. Lebendige Porträts von Lieblingstieren der Berliner Zoobesucher, wie der Gorilla Pongo oder der indische Elefant Siam, gehörten zu Seidenstückers Repertoire.

Auch der Flusspferdbulle Knautschke ist auf den Bildern zu sehen. Hier kann er nun seine Wiederauferstehung feiern, zusammen mit anderen ehemaligen Zootieren wie dem Alligator Swampy oder der Pandabärin Tjen-Tjen. Und sie alle kommen gut an. „Nicht die Kinder, die Erwachsenen müssen oft darauf hingewiesen werden, dass man die Exponate nicht streicheln darf, so echt sehen die aus“, sagt eine Mitarbeiterin.

Das Publikum ist breit gefächert. Großeltern begutachten interessiert das Modell vom Löwenhaus, Gemälde und Zeichnungen ihrer ehemaligen Lieblingstiere. Enkelkinder bleiben lieber staunend vor dem zwei Meter großen Eisbärweibchen stehen und erschrecken sich, wenn der Wolf anfängt zu heulen.

„Wir sind sehr zufrieden mit den Besucherzahlen, bis zu 300 Besucher an einem Tag konnten wir schon vorweisen“, sagt die Mitarbeiterin. „Eine Dame war hier, die hat vor 50 Jahren beim Aufbau des Tierparks mitgeholfen. Viele Besucher kennen die Zoos von früher, haben persönliche Beziehungen zu den Tieren und möchten sich gerne noch mal daran erinnern.“

Auch dunkle Kapitel werden in der Ausstellung nicht ausgespart. Umfangreiche Dokumente belegen etwa 40 Völkerschauen von 1874 bis ins 20.Jahrhundert hinein. Dort wurden meist in erniedrigender Art und Weise fremde Kulturen in ihrer „natürlichen“ Umgebung dargestellt, etwa Eskimos oder afrikanische Ureinwohner. Auch zu damaligen Zeiten waren diese Völkerschauen nicht unumstritten, zumal „Wilde“ auch gegen ihren Willen nach Deutschland verschleppt und ausgestellt wurden.

Insgesamt ist im Ephraim-Palais ein Sammelsurium unterschiedlichster Exponate zu sehen, ausgewählte Stücke der größten zoohistorischen Sammlung Europas. Vor allem Zeichnungen, Gemälde oder Statuen sowie andere historische Dokumente zur Kulturgeschichte der Menagerien und Berliner Zoologischen Gärten sind ausgestellt. Friedrich Seidenstücker fotografierte nicht nur die Tiere des Zoos. Einige Fotos zeigen amüsante Szenen von Mensch und Tier, andere spiegeln den Zeitgeist der 50er und 60 Jahre wider.

Ephraim-Palais, Poststraße 16 im Nikolaiviertel, U-Bahnhof Klosterstraße oder Alexanderplatz, Öffnungszeiten: Di. und Do. bis So.: 10 bis 18 Uhr Mi.: 12 bis 20 Uhr. Montags geschlossen, bis zum 25. Februar. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro

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