Chefbauleiter Hany Azer im Interview : "Ich würde ihn umarmen"

Hany Azer war Chefbauleiter am Hauptbahnhof. An die schwierige Aufgabe denkt er gern zurück. Für die kommenden Jahre hofft er auf eine ähnliche Bebauung wie am Potsdamer Platz.

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Sie geben Ende Mai die Chefplanung des umstrittenen Großprojekts Stuttgart 21 ab. Haben Sie beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs auch Erfahrungen mit protestierenden Berlinern gemacht?

Die Berliner haben mich bejubelt und beklatscht. Es gab Kritik, aber weder gegen den Bau des Hauptbahnhofs, des Südkreuzes oder der Nord-Süd-Trasse unter dem Tiergarten habe ich Widerstand erlebt. Im Gegenteil. Die Berliner sind stolz auf diese Bauten.

Haben Sie in Berlin jemals daran gedacht, ihren Job hinzuwerfen?

Nein. Rückblickend war meine Zeit in Berlin schwierig, aber schön. Es waren gewaltige Aufgaben zu bewältigen, technisch und in der Koordination. Für den Nord-Süd-Tunnel mussten wir die Spree umleiten und mit dem Druck des Grundwassers fertig werden. Dennoch haben mein Team und ich den Hauptbahnhof rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft fertiggestellt.

Gefällt Ihnen das Ergebnis Ihrer Arbeit auch nach fünf Jahren noch?

Ja, ich würde den Hauptbahnhof umarmen, wären meine Arme nur lang genug. Bis heute erhalte ich regelmäßig Anrufe von Menschen aus aller Welt, die mir Fragen stellen. Man ist noch immer erstaunt darüber, wie das Absenken der Bügelbauten geklappt hat. Berlin wird um diesen Bahnhof beneidet. Jedes Mal, wenn ich in der Stadt bin, schaue ich dort vorbei.

Stört Sie die Ödnis der Gegend?

Es ist schade, dass sich das Areal erst wenig entwickelt hat. Für die kommenden Jahre hoffe ich auf eine ähnliche Bebauung wie am Potsdamer Platz. Wenn ich dort meinen Chef Rüdiger Grube im Bahn-Tower besuche, denke ich oft an die Leere, die dort vor 20 Jahren herrschte.

Kommen Sie zur Geburtstagsfeier des Bahnhofs am Sonnabend?

Über die Einladung bin ich sehr glücklich. Man hat mich in Berlin noch nicht vergessen. Ich vermisse diese Stadt.

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