Chefin der Bürgerinitiative : "Die Proteste müssen weitergehen"

Im vergangenen November übernahm Sabine Bergmann-Pohl die Schirmherrschaft über das Bündnis „Berlin-Brandenburg gegen neue Flugrouten“. Die frühere Präsidentin der DDR-Volkskammer und heutige Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes Berlin wohnt in Zeuthen und wäre selbst vom Fluglärm betroffen. Wir sprachen mit ihr über den neuen Vorschlag der Deutschen Flugsicherung.

Halten Sie die neuen Überlegungen der Flugsicherung zu den Routen am BBI für einen Durchbruch in der Debatte über den Fluglärm im Süden Berlins und im Umland?

Für die Bürgerinitiativen war wichtig, dass sich die Fluglärmkommission mehrheitlich für ein Nachtflugverbot und gegen die Drehkreuzfunktion des BBI ausgesprochen hat. Der neue Vorschlag für die Flugrouten könnte zunächst ein kleiner Hoffnungsschimmer sein. Es fehlt aber aus meiner Sicht die Berechnung der Lärmbelastung für bewohnte Gebiete.

Hätte man sich den ganzen Ärger über abknickende Flugrouten sparen können?

Ein offenes und transparentes Verfahren unter Einbeziehung betroffener Bürger wäre sicherlich sinnvoller gewesen.

Werden die Proteste der Bürgerinitiativen jetzt abflauen oder sich auf das konsequente Nachtflugverbot konzentrieren?

Die Bürgerproteste müssen fortgeführt werden, denn wir brauchen verlässliche Aussagen im Hinblick auf vereinbarte Flugrouten und das Nachtflugverbot, die nicht nachträglich einseitig durch den Flughafen oder die DFS bei Inbetriebnahme des BBI verändert werden können.

Wie bewerten Sie den Beitrag des öffentlichen Widerstandes bei der Suche nach Kompromissen?

Der berechtigte massive Protest zwang Politik, Flughafenbetreiber und die für die Flugsicherung zuständigen Behörden, entsprechende Forderungen zu berücksichtigen. Allerdings ist ein nicht unbeträchtlicher Schaden im Hinblick auf politisch verlässliches Handeln entstanden. Großprojekte wie der BBI bedürfen eines zuverlässigen transparenten Verfahrens unter Beteiligung der Betroffenen.

Interview: Claus-Dieter Steyer

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