Chefsache Stadtreinigung? : Wowereit entdeckt den Dreck

Wochenlang hatten Frost und Eis die Stadt im Griff. Nun macht den Berlinern zu schaffen, was davon übrig ist: Auf Straßen und Wegen liegen Tausende Tonnen Splitt, Schmutz, Silvesterknaller, Scherben und Hundekot. Der Regierende und die BSR wollen am Dienstag erklären, wie der Winterdreck schnell beseitigt werden kann.

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Die BSR hat in den vergangenen Wochen mehr als 16.000 Tonnen Split gestreut, hinzu kommen von Anwohnern zehntausende Tonnen und...Foto: Doris Klaas

Wochenlang hatten Frost und Eis die Stadt im Griff. Nun macht den Berlinern zu schaffen, was davon übrig ist: Auf Straßen und Wegen liegen abertausende Tonnen Splitt und Schmutz. Nachdem der Senat sich des Schneechaos erst spät angenommen hatte, scheint der Regierende Bürgermeister jetzt früher einzugreifen: Er macht den Frühjahrsputz zur Chefsache. Nach Informationen aus Senatskreisen will Klaus Wowereit (SPD) heute gemeinsam mit BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff einen Aktionsplan vorstellen, wie die Stadt wieder sauber werden soll. Am Mittwoch will zudem Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) ein Konzept vorstellen, wie der Winterdienst künftig besser wird.

Das Glatteis hatte hunderte Schwerverletzte und drei Todesfälle zur Folge, doch Wowereit erweckte mit dem Vergleich, Berlin sei nicht Haiti, bei manchen Kritikern den Eindruck, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen. Nachdem nun das Tauwetter eingesetzt hat, will der Regierende Bürgermeister offenbar nicht weitere öffentliche Empörung riskieren.

Allein die BSR hat mehr als 16 000 Tonnen Splitt gestreut, ein Vielfaches verteilten Privatleute auf den Gehwegen. Außerdem hat das geschmolzene Eis nun große Mengen Müll freigegeben – Silvesterknaller, Scherben, Hundekot. Die Grünen-Fraktion warnte am Montag prompt vor einem „Schmutz-Chaos“ und forderte zum Handeln auf. Seit vergangener Woche ist die BSR bereits auf Hauptstraßen und an touristisch wichtigen Punkten mit der Reinigung beschäftigt.

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Auffallend verdreckt sind auch die Berliner Bahnhöfe. Deren Erscheinungsbild lasse allerdings auch in anderen Jahreszeiten oft zu wünschen übrig, kritisiert die Bahn-Gewerkschaft Transnet. Die Schneeschmelze habe das Problem lediglich sehr deutlich gemacht. „Mit dem Wegschmelzen des Schnees präsentieren sich viele Bahnhöfe von ihrer besonders schmutzigen Seite“, stellt Transnet fest. Am schlimmsten sei das derzeitige Erscheinungsbild des Bahnhofs Alexanderplatz.

Den Grund für die unansehnlichen Stationen der Deutschen Bahn sieht Transnet im Sparkurs des Unternehmens: Dieses habe die Anzahl ihrer Gebäudereiniger in den vergangenen drei Jahren von 306 auf 288 reduziert, die der Leiharbeiter von 120 im Oktober 2008 auf jetzt 63. Die Bahn wollte diese Zahlen nicht kommentieren. Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb kritisiert den Konzern: „Die Vorzeigebahnhöfe sind immer sauber, aber zwei, drei Kategorien drunter ist es zum Teil furchtbar.“

Auch etliche U-Bahnhöfe sind dreckig, wie etwa am Kottbusser Tor. Die BVG allerdings hält das Schmutzproblem für witterungsbedingt und meint, es sei kaum vermeidbar. Und am Bahnhof Alexanderplatz „betrifft das offenkundig den Bereich der Bahn AG. Wir haben dort kein Problem.“

Der Bahnsprecher wiederum führt den Dreck neben der Schnee- und Eisschmelze auch auf den großen Kundenstrom auf manchen Bahnhöfen zurück. Zudem bestreitet er die Transnet-Darstellung, nach der am Alex pro Schicht nur eine Reinigungskraft im Einsatz sei. Insgesamt seien dort acht Putzkräfte beschäftigt. Weiteres Personal sei nicht geplant.

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