Berlin : Chic in Berlin: Ohne die richtigen Kurven geht es nicht

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Im Folgenden soll kurz eine Schlüsselsituation geschildert werden, mit der Autorinnen von Frauenmagazinen Seiten füllen können. Es ist früher Frühling. Exotik-Ferien stehen ins Haus. Eine Frau mit Durchschnittsfigur befindet sich in einer durchschnittlichen, ausgesprochen gut ausgeleuchteten und mit einem gnadenlosen Rückspiegel ausgestatteten Umkleidekabine eines Kaufhauses. Sie probiert eines dieser neuen Bikini-Modelle. Sie findet sich hässlich. Das Fleisch ist weiß und schlaff, überall Dellen, Schwangerschaftsstreifen, abgelebte Knie, ein hängender Bauch. Sie erschrickt fürchterlich, zieht sich wieder an, betritt ohne Bikini in der Tasche das nächstgelegene Café und ordert ein Stück Schwarzwälder Kirsche.

Erste Hilfe kommt, wie so oft, aus der Schweiz, und zwar in Gestalt der aus dem Kanton Zug stammenden Designerin Sasha Haettenschweiler. Sie ließ in der Nacht zu Freitag Bikinis ihrer Linie "Wet Glam" im Delicious Doughnuts vorführen - bei gedämpftem Licht, leiser Musik und mit einer ironischen, kleinen Show. Mit stolz geschwellter Brust führten die Modelle allerlei Unikate vor, schritten gemächlichen Schrittes in das clubeigene Schaufenster und nuckelten dort, bestaunt von einigen überforderten Passanten auf dem Gehweg, genüsslich an einer Haschzigarette. Bikini-Show ganz entspannt und wie zu Hause - die hübschen, aber nur zum teil wasserfesten Modelle konnte man im Anschluss daran gleich kaufen und mitnehmen. So entspannt geht es also auch.

Knapp 200 Franken kosten die hübschen Ein-, Zwei- oder Dreiteiler - wenig Geld, wenn man bedenkt, dass Haettenschweiler die Elite der Schweizer Handarbeitslehrerinnenschaft zu Produktionszwecken um sich scharte und draufloshäkeln ließ. "Diese Modelle eignen sich eher zum Flanieren an Strandbars als zum Schwimmen", gibt die Designerin, die ein Atelierstipendium nach Berlin führte, zu. Aber Meertaugliches hat Frau Haettenschweiler auch im Angebot: kleine, bunte Höschen mit knappen Bandeau-Tops, alles in den gängigsten Größen und in nicht zu schrillen Farben.

Neben Bikini-Mode zeigte die Schweizerin, die aus Prinzip nur Sommermode macht, auch ausgefallenen Haarschmuck unter dem Namen "City Cinderella" und mit viel Glitzer, Feder und Plüsch. "Die Berlinerin", sagt sie, "läuft immer so eingemummelt durch die Stadt. Da guckt oft nur der Kopf raus. Dann muss der eben geschmückt werden." oom

Boulevard Berlin:
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In Modemagazinen ist der aktuelle Frühling und Sommer bunt - Fuchsia, Violet, Pink und Grün leuchtet es aus den Hochglanzseiten. Die angesagten europäischen Farbräusche ließen die New Yorker Designerin Donna Karan weitgehend kalt. Vorwiegend in Schwarz, Natur und Weiss gekleidet, schwebten die Models zur Fashion-Show im Quartier 206 an den geladenen Stammkunden vorbei, derer es inzwischen so viel gibt, dass die Plätze am Donnerstagabend kaum reichten. Und dann zeigte der Frühling in New York doch noch Farbe - zarte Gelb-, Apricot-, Braun- und Fliedertöne wählte "DK" für ihre traumhaften Kleider, deren Zipfelsäume wie in den Zwanzigern um das Knie herum flatterten. Hüft-, taillen- und beinbetont verlangt dieser "Spring 2001" aus New York außer dem nötigen Kleingeld von der geneigten Kundin vor allem eines - die richtigen Kurven an den richtigen Stellen. hema

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