Berlin : "China-Fest": Pomp aus Peking

Lars von Törne

Über den Schlossplatz toben Artisten und Musiker, chinesische Dekorationen schmücken die Innenstadt, Schauspieler mit bunten Masken huldigen dem Feuergott. In Dutzenden Ausstellungs- und Konzerthallen präsentieren sich prominente Musiker, Schauspieler und Bildende Künstler aus dem Reich der Mitte. Ein fernöstliches Kulturfestival der Superlative erwartet die Berliner ab Mitte September. "Die umfangreichste Präsentation Chinas im Ausland", sagt Kultursenatorin Adrienne Goehler. "Eine Sensation", schwärmt Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen. Und Sun Rongmin, Gesandter der Chinesischen Botschaft, freut sich auf "die größte Kulturveranstaltung Chinas in Deutschland seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen".

Die Vorab-Begeisterung gilt einer Reihe von rund 100 Veranstaltungen, die in der Tat spektakulär ist: Das "China-Fest", veranstaltet von der Senatsverwaltung für Kultur, Berliner Kultureinrichtungen sowie den chinesischen Behörden. Rund 500 Künstler aus der Volksrepublik sind in der Stadt zu Gast. In Ausstellungen, Aufführungen, Konzerten, Filmen, bei Straßenfesten sowie mit einer Modenschau geben sie einen Einblick in die traditionelle und moderne Kultur ihres Landes. Äußerer Anlass sind die 3. Asien-Pazifik-Wochen vom 17. bis 30. September.

Während des China-Festes soll die gesamte Stadt bespielt werden. Die Hälfte der Veranstaltungen wird umsonst und draußen stattfinden. Zentrum ist der Schlossplatz. Dort gibt es schon ab dem 14. September täglich einen Markt, auf dem sich China mit kulinarischen Spezialitäten, Kunsthandwerk und Souvenirs präsentiert. Auf einer großen Leuchtwand wird zeitgenössische Kunst gezeigt. Täglich treten an verschiedenen Orten der Stadt chinesische Künstler auf. Als Höhepunkt jeden Tages gilt die "She-Huo-Fest-Parade", ein Spektakel mit Trommlern, Drachen, Tanz und Theater. Am 29. September soll ein großes Kunst-Feuerwerk den Nachthimmel über der Stadt erleuchten.

Einer der Höhepunkte für Liebhaber traditioneller Kunst dürfte die Ausstellung buddhistischer Skulpturen aus dem 6. Jahrhundert sein, die 1996 zufällig bei Ausgrabungsarbeiten in der Provinz Shandong entdeckt wurden. Diese werden ab dem 20. September im Alten Museum gezeigt - zum ersten und letzten Mal außerhalb der Volksrepublik. Das moderne China repräsentieren unter anderem 29 junge Künstler, die unter dem Titel "living in time" ab dem 19. September im Hamburger Bahnhof ausstellen. Daneben gibt es Avantgarde-Plakate, zeitgenössische Fotografen und Internet-Kunst zu entdecken. Auf mehreren Bühnen werden Peking- und Kun-Opern, traditionelles Schattentheater sowie moderne Stücke aufgeführt. Lin Zhaohua, einer der bekanntesten Regisseure Chinas, ist ab dem 22. September mit zwei Inszenierungen zu Gast. Kostüme von 770 v. Chr. bis heute sind bei einer Modenschau vom 20. bis 23. September in der Treptower "Arena" zu sehen. Und vielleicht entdeckt mancher Stadtbewohner bei der Gelegenheit das chinesische Berlin, das schon vor dem Festival existierte: Täglich von morgens bis zum Sonnenuntergang gibt es im chinesischen Garten in Marzahn Teezeremonien und traditionelle Musik.

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