Berlin : Chinesisch für Fortgeschrittene

Er will nur eines: Kochen. Tim Raue ist Spezialist für die Produkte und Garmethoden Asiens – und hat beide zu einem ganz eigenen Stil vereint. Seine Workshops lehren garen, dämpfen, würzen.

von und Eine Serie von Susanne Leimstoll
Scharfer Typ. Hackebeil und Stäbchen – das Werkzeug für den Kochkurs und das anschließende Dinner hat Spitzenkoch Tim Raue schon mal griffbereit. Aber keine Bange: Seine beiden Workshops werden nur lehr- und genussreich. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Scharfer Typ. Hackebeil und Stäbchen – das Werkzeug für den Kochkurs und das anschließende Dinner hat Spitzenkoch Tim Raue schon...

Tim Raue? Der tut nichts, der will nur kochen. Und doch hat vermutlich außer in Usbekistan und Nordkorea jede Zeitung der Welt schon über den verrückten Berliner Küchenchef geschrieben, der mal in einer Kreuzberger Straßengang war und im zarten Alter von 36 Jahren seine Biografie vorgelegt hat. Diese Bekanntheit erreichte er, obwohl er, anders als ähnlich prominente Kollegen, im Fernsehen kaum präsent ist. 2010 hat er ausnahmsweise an einer Koch-Casting-Show teilgenommen, aber nur mit dem klaren Ziel, Geld für die Eröffnung seines neuen Restaurants zu verdienen. Das hat geklappt.

Denn er will kochen. Das hat er gelernt, das kann er, da macht ihm keiner was vor. Grundlage dieses Handwerks ist eine ungeheure Neugier, die ihn schon rund um den Globus transportiert hat, vor allem dort hin, wo die Woks glühen und die Speisen scharf gewürzt sind.

Raue ist ein überall anerkannter Spezialist für die Produkte und Garmethoden Asiens, er beherrscht sie und hat sie in seiner Küche zu seinem ganz persönlichen Stil zusammmengefügt, der längst mehr wert ist als die anderthalb Michelin-Sterne, die ihm seit nun Jahren anhängen.

Japanische Produktperfektion, thailändische Aromatik, chinesische Philosophie – so fasst er die Komponenten seiner Arbeit zusammen. Unnötig anzumerken, dass dabei natürlich kein „panasiatischer“ Mischmasch herauskommt, sondern etwas Eigenes, was es nirgendwo sonst gibt. Reis, Kartoffeln, Brot, weißer Zucker, überhaupt so gut wie alle Kohlehydrate sind tabu, denn ein Essen bei ihm soll beleben, leicht sein und nicht vordergründig sättigen. Irgendwie passt das gut dazu, dass Raue als erster Mann für ein sehr bekanntes Abnehm-Konzept wirbt – ihm hat es sichtbar geholfen.

Klar ist also, dass Raue auch unseren Workshop-Teilnehmern ziemlich asiatisch kommt. Im vergangenen Jahr hat er den Tagesspiegel-Lesern die japanische Seite seiner Küche gezeigt, diesmal wird er aus dem chinesischen Nähkästchen plaudern. Keine Frage, dass das auch diesmal wieder eine unterhaltsame Angelegenheit wird, denn er ist ja nicht nur ein Meister im Kochen, sondern auch darin, drüber zu reden. Klartext – genau wie in seiner Küche, in der es sehr direkt zur Sache geht.

Restaurant Tim Raue, Rudi-DutschkeStr. 26, Kreuzberg, Tel. 2593 7930, sonntags und montags geschlossen, Menü 28 (mittags) bis 148 Euro.

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