Berlin : Chinesische Wachstumsraten

Wirtschaftssenator Harald Wolf hofft auf die Biotechnologie

Sabine Beikler

Arno Krotzky beginnt zu schwärmen, wenn er über metabolische Genomforschung, Stoffwechselbiomarker und die Messung von Stoffwechselprodukten in Pflanzen, Mensch und Tier spricht. Krotzky ist Managing Director von Metanomics, einem Pflanzen-Biotechnologieunternehmen der BASF Plant Science – er könnte aber genauso gut Berater bei der Berliner Wirtschaftsverwaltung sein.

„Das Umfeld in Berlin von Wissenschaft und Technologie ist einzigartig“, erzählt er am Freitag während einer Tour von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) durch Unternehmen der Biotechnologie. „Nur sind diese Sahnestücke noch nicht gut vermarktet.“ Berlin müsse sein ausschließliches Image als Medienstandort loswerden. Wolf verweist dagegen auf eine Studie der Deutschen Bank, die der Biotech-Branche ein jährliches Wachstum von zehn Prozent prognostiziert. „Chinesische Wachstumsraten“, freut sich Wolf. Aber bringen die auch Arbeitsplätze – in einer Stadt mit rund 312 000 Arbeitslosen?

Nur 3200 Menschen arbeiten zurzeit in Berliner Biotech-Unternehmen, 5000 in der Wissenschaft und 4000 im Pharma-Bereich. Eine Hochtechnologie, sagt Wolf, die wie ein „kleines Pflänzchen“ zu behandeln sei. Erst Mitte der neunziger Jahre begann sich die Biotechnologie in Deutschland zu entwickeln. „Eine junge Branche, die erst am Anfang steht, aber ein großes Wachstumspotenzial hat“, sagt Wolf. In den USA seien in 20 Jahren über 250 000 Biotech-Arbeitsplätze geschaffen worden.

Fast alle Biotech-Unternehmen sind in ihrer Startphase auf Fördermittel angewiesen. Christian Piepenbrock von Epigenomics mit Sitz in Mitte erzählt, dass die Gründung des Unternehmens 1998 nur mit einem Mix aus Eigenkapital (rund 1,1 Millionen Euro), Zuschüssen von fünf bis sechs Millionen Euro durch Förderbanken wie der Investitionsbank Berlin und reinen sachbezogenen Fördermitteln für die Forschung von zirka 1,5 Millionen Euro gelungen ist. Das Unternehmen, das vor allem Tests zur Krebsdiagnostik entwickelt, beschäftigt 147 Mitarbeiter. Durch den Börsengang im Jahr 2004 hat Epigenomics rund 40 Millionen Euro erlöst. Der Umsatz lag 2005 aber bei lediglich zehn Millionen Euro.

Das ist das Problem vieler Biotech-Firmen: Bis das Produkt auf dem Markt ist, vergehen bis zu 15 Jahre. Arno Krotzky von Metanomics will die Umsatzzahlen auch nicht preisgeben, er spricht lediglich von „signifikanten Umsätzen“ – obwohl das auf Pflanzen-Biotechnologie spezialisierte Unternehmen mit 110 Mitarbeitern und Sitz im Charlottenburger Biotech-Park ein Patent pro Woche anmeldet. Jetzt will die Verwaltung mit Hilfe der Gründungsinitiative „Life Sciences“ gezielt auf Investoren zugehen – und hofft, dass bis zum Jahr 2008 400 neue Arbeitsplätze entstehen.

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