Berlin : Chipkarten statt Fahrscheine bei der BVG

Es gibt neue Pläne für Ticket-Abonnenten: Im Sommer sollen Schüler mit dem Test des elektronischen Fahrscheins beginnen

Klaus Kurpjuweit

Wertmarke ade – her mit dem Chip. Die BVG will jetzt einen jahrelang verfolgten Plan umsetzen und ein elektronisches Ticket einführen. Schrittweise soll die Chipkarte von Mitte 2006 an für die Abonnenten eingeführt werden. Damit werde ungefähr die Hälfte der Kunden erreicht, so die BVG. Ein Test mit Schülerkarten soll noch in diesem Sommer beginnen. Die BVG-Chipkarte ersetzt dann den bisherigen Schülerausweis.

Derzeit müssen sich Schüler bei einer Kontrolle gleich dreifach legitimieren: mit dem Schülerausweis, mit der so genannten Trägerkarte der BVG und mit den gekauften Wertmarken. Fehlt auch nur einer dieser Nachweise gelten die Schüler bei Kontrollen als Schwarzfahrer. Das fiele künftig weg: Das elektronische Ticket soll auch als Schülerausweis gelten, und die Wertmarke wird durch den Chip auf dem Ticket ersetzt. Aber weil es zum Versuchsstart im Sommer noch zu wenig Kontrollgeräte gibt, müssen Schüler in der Übergangszeit weiter zusätzlich eine Wertmarke kaufen und auf dem elektronischen Ticket anbringen. Der Test soll mit zwei oder drei Schulen beginnen, sagte der Marketing-Direktor der BVG, Tom Reinhold.

Um die Einführung des elektronischen Tickets hatten sich BVG und S-Bahn sowie Bahn AG für den Regionalverkehr lange gestritten. Während andere Verkehrsbetriebe den einfachen Chip schon seit längerem einsetzen, wollte die BVG den ganz großen Wurf. Ihr Ziel war, mit dem elektronischen Ticket Fahrten einzeln abzurechnen. Dabei sollte die Luftlinie zwischen Start- und Zielort für die Kilometerberechnung gelten. Außerdem hätte man Fahrten in nachfragestarken Zeiten teurer, andere dagegen billiger machen können, schwärmt Reinhold. Möglich sein sollten auch unterschiedliche Preise für die schnelle U-Bahn und den langsamen Bus zum Beispiel.

Bei diesem System hätten sich die Fahrgäste vor jeder Fahrt an einem Check-In- Gerät anmelden und am Fahrtende an einem Check-Out-Gerät abmelden müssen. Theoretisch wäre dies berührungslos möglich. Jetzt soll nur noch ein Anmelden im Bus erforderlich sein.

Der S-Bahn und der Bahn AG war das große BVG-System aber zu teuer. Im Gespräch waren Investitionskosten von mindestens 100 Millionen Euro. Die BVG bastelte aber unverdrossen weiter an ihrem Modell und gab dafür nach Tagesspiegel-Informationen auch nach der Absage durch die S-Bahn und die Bahn einen zweistelligen Millionenbetrag aus.

Das einfachere Modell ist jetzt billiger zu haben. Reinhold rechnet mit Kosten in Höhe von etwa drei Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre. Die S-Bahn ist trotzdem weiter skeptisch und gibt kein eigenes elektronisches Ticket aus. Sie hat sich jetzt aber bereit erklärt, die Chipkarten der BVG anzuerkennen. Die für Kontrollen erforderlichen Lesegeräte werden von der BVG finanziert.

Reinhold ist überzeugt, dass sich das System selbst finanzieren wird. Die BVG spare erhebliche Summen beim Vertrieb. Zudem seien die Chipkarten fälschungssicherer als Marken. Unter gefälschten Marken leidet die BVG besonders. Kunden könnten gestohlene Chipkarten sofort sperren lassen und Ersatz erhalten. Zudem bietet die Karte Zusatznutzen – so könnte es mit der BVG-Chipkarte zum Beispiel im Parkhaus Rabatt für Autofahrer geben.

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