Berlin : Christa Thoben: Eine Ehemalige taucht wieder auf

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Vor einem Jahr war Christa Thoben eine gesuchte Politikerin. Sie hatte einen unangefochtenen Platz im CDU-Präsidium, und Eberhard Diepgen rief sie aus Bochum als Bürgermeisterin und Senatorin für Wissenschaft und Kultur in den Senat. Schon vier Monate später sank Frau Thobens Stern. Überraschend trat sie am 23. März "aus finanziellen und personellen Gründen" zurück. Sie kam mit ihrem knappen Etat nicht zurecht und fühlte sich vom Regierenden nicht genug unterstützt. Im April verlor sie auch ihren Sitz im CDU-Präsidium, dem sie zehn Jahre angehört hatte. "Das war doch klar nach meinem Rücktritt in Berlin" sagt sie lächelnd.

Sie sieht nicht so aus, als würde sie den Spitzenämtern nachtrauern. Den Seelenschmerz hatte sie am 23. März, dem Tag ihres Rückzugs vom Senat, schon hinter sich. "Ich hatte mich drei Wochen gequält und Gespräche mit Diepgen". Niemand in Politik und Presse wusste damals davon. Vergangenheit. "Ich habe gemerkt, dass es ein Leben vor dem Tod gibt", sagt sie fröhlich. Heute ist sie froh, sich mit gesellschaftspolitischen Fragen zu beschäftigen. Und es ist ihr angenehm, dass sie nicht wie andere unter Medienbeobachtung steht.

Frau Thoben hat das Ehrenamt für sich und den Wert des bürgerschaftlichen Engagements für den Einzelnen wie die Gesellschaft entdeckt. Dafür arbeitet sie als Vorsitzende einer Kommission des CDU-Präsidiums; sie kann es sich mit 59 auf dem Polster ihrer Pension leisten. Sie deutet die Aussicht auf weitere Ehrenämter in der Stiftungsarbeit an, aber das sei noch nicht spruchreif. Stellvertretende CDU-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen ist sie auch noch. Sie wohnt wieder in Bochum, aber sie ist oft in Berlin. Schon lange vor ihrer Senatszeit war sie hier ein Begriff - als Umzugsbeauftragte der Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl und Bau-Staatssekretärin. Und jetzt, da sie nicht mehr als Kultursenatorin unter Termindruck steht, hat sie "mehr Zeit, hier ins Theater zu gehen".

Den CDU-Freund Diepgen sieht sie selten. Es war immer ein unterkühltes Verhältnis. Sie liebt klare Worte, er ist vorsichtig bis zur Undeutlichkeit. Auch damit hatte wohl ihr Abschied vom Senat zu tun. Amüsiert erzählt sie, dass sie noch oft Einladungen zu Senatsempfängen bekommt, etwa wenn sich ausländische Gäste in das Goldene Buch eintragen: "Ich stehe wohl noch auf dem Protokoll-Verteiler." Aber sie geht nicht hin.

Dafür ist sie der CDU-Chefin Angela Merkel herzlich zugetan. Man spürte das Einverständnis der beiden förmlich, als sie in der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Ehrenamt auftraten. "Sie hat Kraft, man unterschätzt leicht ihren Ehrgeiz, aber sie ist noch nicht rundgeschliffen wie ein Kieselstein", sagt Frau Thoben über Frau Merkel. Klar, dass sie sich mit Rat und Tat in den Merkel-Dienst stellt.

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