Berlin : Christliche Premiere

Zum Ökumenischen Kirchentag treffen sich 2003 über 100000 Gläubige in Berlin. Tausende Helfer bereiten ihn vor

Lothar Heinke

Das erste deutschlandweite Treffen von Christen aller Konfessionen vereint im kommenden Jahr an fünf Tagen mehr als 100 000 Gläubige in Berlin. „Ihr sollt ein Segen sein“, steht als Leitmotiv über dem ersten Ökumenischen Kirchentag, für den die organisatorischen Vorbereitungen jetzt anlaufen. „Was vom 28. Mai bis zum 1. Juni in Berlin geschieht, kann mit Fug und Recht als historisch bezeichnet werden“, sagt Pressereferent Martin J. Wittschorek. Zum ersten Mal veranstalten die beiden großen christlichen Laienorganisationen – das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutsche Evangelische Kirchentag – ein Ereignis in dieser Größenordnung, an dem sich auch Orthodoxe, Anglikaner, Mitglieder evangelischer Freikirchen und Altkatholiken beteiligen. „Genau der richtige Ort, genau die richtige Zeit für einen Ökumenischen Kirchentag“, heißt es in einer Einladungs-Broschüre, „die Christen wollen nicht unter sich bleiben auf dem Messegelände, wo viele der großen Veranstaltungen stattfinden. Sie gehen ins Herz der Hauptstadt und an die Ränder – mitten unter die Menschen. Die Besucherinnen und Besucher dieses Kirchentages werden auch die Millionenmetropole mit ihrer Lebendigkeit der besonderen Art erfüllen“.

Die etwa 2000 Veranstaltungen finden zu einem großen Teil auf dem Messegelände in Charlottenburg sowie in Mitte zwischen Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt und Alexanderplatz statt. Hier beginnt der Kirchentag am Mittwoch vor Himmelfahrt mit dem Zentralen Eröffnungsgottesdienst am Brandenburger Tor und einem Straßenfest, bei dem sich die gastgebende Region vorstellt, also das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg. Schon dabei sollen viele Kontakte zu nichtchristlichen Organisationen hergestellt werden, wie man überhaupt auf den Dialog mit der Stadt und dem Land setzt. „Wir wollen nicht in unserer eigenen Soße schwimmen“, sagt Martin Wittschorek. So sind zu einem Abend der Begegnung auch andere Gruppen willkommen; dabei möchte man keiner radikalen Gruppierung ein Forum bieten, aber den Dialog auch mit nicht-christlichen Religionen pflegen.

Das Programm nimmt allmählich Gestalt an. 1100 Gruppen werden teilnehmen, es gibt allein 13 Eröffnungsgottesdienste in Berlin und in Potsdam, weitere zu Himmelfahrt unter anderem auch auf dem Gendarmenmarkt. „Der Kirchentag diskutiert die Fragen von heute, von Glaube und Welt – auf Foren und Podien, mit Vorträgen in Werkstätten, Zentren und auf der ,Agora’, einer Messe christlichen und zivilen Engagements, auf der Gruppen aus Kirche und Gesellschaft ihre Arbeit vorstellen“. Über vier Themenbereiche wird gesprochen: „Glauben bezeugen – im Dialog leben“, „Einheit suchen – in Vielfalt einander begegnen“, „Menschenwürde achten – die Freiheit wahren“ und „Welt gestalten – in Verantwortung handeln“.

Die Idee zu dem gemeinsamen evangelisch-katholischen Kirchentag ist sechs Jahre alt. 1999 beschloss man, nach Berlin zu gehen. Ende 2000 wurde der veranstaltende Verein „Ökumenischer Kirchentag Berlin 2003 e.V.“ ins Leben gerufen, und nun bereiten in mehreren Büroetagen am Alexanderplatz 70 Organisatoren und tausende Helfer im Land das Großereignis vor – es ist, nach 1951, der erste Kirchentag im ganzen Berlin, zuvor hatte es stets getrennte Kirchentage in West oder Ost gegeben. „Dies sind ja quasi zwei Kirchentage in einem“, sagt Martin J. Wittschorek und lobt die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Berliner Partnern vom Senat, von den Bezirken, mit BVG, S-Bahn und Polizei. Während des Kirchentages findet auch noch das DFB-Pokalendspiel im Olympiastadion statt und zu allem Überfluss ruht der S-Bahn-Verkehr zwischen Charlottenburg und Westkreuz. 80000 Gäste, die jüngeren zumal, verbringen drei Nächte in 400 bis 450 Berliner Schulen, für über 20000 in- und ausländische Besucher werden auch per Plakataktion Privatquartiere gesucht: „Bett oder Sofa mit Frühstück bei gastfreundlichen Berlinern“. Die Gastgeber erhalten im Gegenzug eine Eintrittskarte für die Kirchentag-Aktionen. Eine Dauerkarte für sämtliche Veranstaltungen der fünf Tage kostet 79 Euro, eine Tageskarte 23 Euro. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Sonderzüge.

Routen und Preise im Internet unter www.oekt.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben