Berlin : Christo-Ausstellung: Das Glück des Sammlers

jul

Zur ersten "Gropius Nacht" anlässlich ihrer Ausstellung waren sie wieder nach Berlin gekommen: Christo und Jeanne-Claude signierten am Samstagabend im Martin-Gropius-Bau eine Stunde lang mitgebrachte Sammlerstücke zu ihrer Reichstagsverhüllung von 1995. Zum Leidwesen vieler Hobby-Fotografen und Andenkensammler durften allerdings nur Originalplakate, -kataloge und -postkarten vorgelegt werden. Keine eigenen Fotos oder Collagen, ja, nicht mal originale Stofffetzen. Ein Mann war den Tränen nahe, als er das Künstlerpaar anflehte, doch sein plakatgroßes Foto zu signieren, schließlich hinge es seit fünf Jahren über seinem Bett. Aber die beiden ließen sich nicht erweichen.

Organisatorin Susanne Hartmann von "Partner für Berlin" erläuterte den Grund: Nur der Fotograf Wolfgang Volz sei autorisiert, Bilder von der Verhüllung zu vermarkten. Die Souvenirs seien nach diesem Abend viel mehr wert. Und die beiden seien nun einmal Künstler.

Herbert Schoendeling hatte dafür Verständnis: Schließlich müssten Christo und Jeanne-Claude ja ihre Aktionen über die Vermarktung finanzieren. Schoendeling hatte gut reden. Er hat Glück gehabt: Als dritter in der Reihe wurden sogar drei seiner Andenken signiert - unter anderem die Sonderbeilage des Tagesspiegels von 1995, in dem ein zweiseitiges Foto vom verhüllten Reichstag abgedruckt war. Das einzige Erinnerungsstück, das, obwohl nicht von Christo und Jeanne-Claude vermarktet, an diesem Abend siginiert wurde.

Schoendeling erzählte, wie er damals extra für diese "spektakulärste Aktion in Deutschland überhaupt" eine Woche lang in Berlin war. Einen ganzen Tag lang hat er während der Verhüllung jede Stunde ein Foto vom Reichstag gemacht, um die Veränderung und die unterschiedlichen Lichtverhältnisse zu dokumentieren. Stolz zeigte er ein knappes Dutzend der begehrten Stoffstücke. Sein Einsatz hatte sich gelohnt - auch an diesem Abend.

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