Christoph Maria Herbst : Stromberg ohne Strom - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren las Christoph Maria Herbst Josh Bazells Mafia-Thriller "Schneller als der Tod" im Babylon – und klang dabei, als hätte er einen doppelten Whiskey getrunken. Was Anke Myrrhe darüber schrieb.

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Keine Spur von Stromberg. Als Hörbuchsprecher erinnert Christoph Maria Herbst kaum mehr an seine bekannteste Rolle.
Keine Spur von Stromberg. Als Hörbuchsprecher erinnert Christoph Maria Herbst kaum mehr an seine bekannteste Rolle.Foto: ddp

Wer Stromberg erwartet hat, wird vielleicht enttäuscht sein. Nicht nur, weil der Schauspieler Christoph Maria Herbst im echten Leben erstaunlich anders aussieht als in seiner bekanntesten Rolle des unerträglichen Chefs in der Pro-7-Serie. Sondern auch, weil die Person Herbst am heutigen Dienstagabend nicht im Mittelpunkt stehen soll. „Zu meinen Lesungen kommen viele, weil sie eine Stromberg-Show erwarten“, sagt er. „Bei einer Lesung geht es aber, wie der Name schon vermuten lässt, um die Lesung des Textes.“

Und genau dies wird es in der Reihe „Literatur live“ heute im Babylon wieder geben. Ohne großes Tamtam liest Christoph Maria Herbst aus dem medizinischen Mafia-Thriller „Schneller als der Tod“ des US-Autors Josh Bazell. Herbst hat gerade die deutsche Übersetzung des Buches als Hörbuch eingesprochen.

Nicht nur optisch ist Christoph Maria Herbst dabei ein anderer. Auch seine Stimme hat mit der Überdrehtheit eines Strombergs oder der Witzigkeit, mit der er die Bestseller von Tommy Jaud als Hörbuch aufgenommen hat, kaum etwas zu tun. Eine gewisse „Schnodderigkeit“ habe er der Figur des Dr. Peter Brown verleihen wollen, sagt Herbst. Schnodderig trifft es gut: Der Ich-Erzähler, ein Arzt mit Drogenproblem und Mafiavergangenheit, der eigentlich Pietro Brnwa heißt, klingt, als hätte Herbst vor der Aufnahme noch schnell einen doppelten Whiskey heruntergekippt. „Ich habe mich um einen Ausdruck bemüht, der dem Roman gerecht wird, der sich aber über sechs CDs auch nicht ermüdet“, sagt er. „Es gibt ja nichts Schlimmeres, als wenn man einer Stimme zuhören muss, der man kein Wort glaubt.“

Man glaubt es ihm. Herbst verleiht den teilweise etwas zu rotzigen Worten von Bazell einen Hauch gelesenen Quentin Tarantino. Auch wenn er dafür keinen Whiskey gebraucht hat. „Das berühmte Glas Sekt, bevor man eine Bühne betritt, das geht gar nicht“, sagt Herbst. Der 44-Jährige ist jemand, der eine solche Aufnahme gern schnell durchzieht, um die Rolle – oder Romanfigur – anzunehmen, sich hineinzufühlen. „Sonst wäre das Ganze sicher auseinandergefallen, wie ein Soufflé, das nichts geworden ist“, sagt er. So aber ist der Auflauf gelungen. Innerhalb von zwei Tagen sind 408 Minuten Aufnahme entstanden, die vor allem wegen Herbsts Vortragsweise spannend und rasant sind.

Das muss es auch sein, wenn auf einem Hörbuch der Name Christoph Maria Herbst draufsteht. „Es ist wie eine Rolle, die ich spiele: Ich kann nicht erwarten, dass ich die Leute damit unterhalte, wenn sie mich selbst langweilt“, sagt er. „Da habe ich auch eine gewisse Verantwortung.“ Deswegen sagt Herbst inzwischen den Großteil der Sprecher-Angebote ab, ist sehr kritisch und liest Bücher zwei Mal, bevor er zusagt. „Dafür ist mir meine Lebenszeit sonst zu kostbar“, sagt er. „Denn das ist schon ein sehr einsamer Vorgang, wenn ich da allein im Studio sitze mit einem mehr oder weniger gut gelaunten Tontechniker.“

Für Josh Bazell gab er seine Stimme gern her. Anders als vor zwei Jahren, als Herbst mit den Bestsellern von Tommy Jaud mitunter an 30 Tagen in 30 verschiedenen Städten gelesen hat, ist der heutige Termin der einzige in Deutschland. Im nächsten Jahr geht er mit seinem ersten eigenen Buch auf Tour. Dann wird es auch wieder mehr um die Person Christoph Maria Herbst selbst gehen. Und für alle Stromberg-Fans gibt es im kommenden Jahr zehn weitere Folgen: Im März beginnen die Dreharbeiten für die fünfte Staffel, im Herbst wird gesendet.

Christoph Maria Herbst liest Josh Bazells „Schneller als der Tod“, Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte, Einlass ab 19.30 Uhr, Eintritt 18, ermäßigt 15 Euro. www.babylonberlin.de

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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