Berlin : Christoph Stölzl verliert das Interesse am CDU-Landesvorsitz

Ex-Kultursenator erwägt, auf eine Wiederwahl im Mai zu verzichten. Dann soll Bezirksbürgermeister Joachim Zeller neuer Vorsitzender der Berliner CDU werden

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der CDU-Landeschef Christoph Stölzl erwägt, auf dem Landesparteitag der Union am 24. Mai nicht wieder für das Parteiamt zu kandidieren. „Er ist schwer am Überlegen, hat sich bisher aber noch nicht festgelegt“, verlautete gestern aus Stölzls engerer Umgebung. Am Montag will er sich mit dem Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller (CDU), treffen, der bei einem Verzicht Stölzls neuer CDU-Landeschef werden soll. „Danach sehen wir klarer“, sagte ein CDU-Vorständler dem Tagesspiegel.

Am selben Tag kommen die wichtigsten Führungsgremien der Union, Landesvorstand und -ausschuss, zusammen, um den Wahlparteitag vorzubereiten. „Christoph Stölzl muss der Partei rechtzeitig sagen, was er will“, wird in CDU-Führungskreisen gefordert. Seit Wochen gibt der Berliner CDU-Vorsitzende auf Fragen von Parteifreunden nach seiner politischen Zukunft ausweichende Antworten. „Er ist frustriert und desillusioniert“, sagte ein CDU-Kreischef. Zu einer Stellungnahme war Stölzl gestern nicht zu erreichen, weil er sich auf dem Rückflug von China nach Deutschland befand.

Seitdem er im Mai 2002 die Nachfolge Eberhard Diepgens antrat, wurde ihm von Parteifreunden häufig Führungsschwäche vorgeworfen. „Ich bin halt so ein Schlaffi“, lautete seine scherzhaft-trotzige Reaktion auf solche Kritik. Erschwerend kam hinzu, dass Stölzl rasch in Gegnerschaft zum CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Steffel geriet, wenngleich er dies nach außen sorgfältig kaschierte. Auch die Neuwahl sämtlicher Orts- und Kreisvorstände der Union, die gestern mit der Wiederwahl von Stadtrat Dieter Hapel als CDU-Kreischef in Tempelhof-Schöneberg beendet wurde, hat den Landesvorsitzenden nicht aufgemuntert. Die meisten Orts- und Kreischefs blieben im Amt. Nur wenige „Reformer“ kamen neu in die Gremien. „Die Berliner CDU ist eher verharrend“, sagte Stölzl kürzlich dem Tagesspiegel.

Viele Parteifunktionäre sind anderer Meinung. Sie loben die „starke Verjüngung“ der örtlichen CDU-Führungsetagen und warnen vor Ungeduld bei der personellen Neuaufstellung des CDU-Landesverbandes. Sollte Stölzl auf den Landesvorsitz verzichten, hätte nicht etwa Fraktionschef Steffel, sondern der 51-jährige Kommunalpolitiker Zeller beste Chancen, neuer CDU-Chef zu werden. Zeller wuchs im brandenburgischen Luckenwalde auf, trat 1990 in die CDU ein und ist seit 1995 Bezirksbürgermeister. Er genießt hohes Ansehen in der eigenen Partei und ist erprobt in der Zusammenarbeit mit SPD-, Grünen- und PDS-Politikern. 2001 wurde er CDU-Generalsekretär und rückte nach Diepgens Rücktritt im Februar 2002 für drei Monate sogar zum amtierenden CDU-Landeschef auf.

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