Chronik : Der Fall Hatun Sürücü

Am 7. Februar 2005 starb die 23-jährige Hatun Sürücü an drei Kopfschüssen auf dem Gehweg. Zwei der drei angeklagten Brüder wurden freigelassen, der dritte wegen Mordes zu einer Haftstrafe verurteilt.

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DER MORD

Am 7. Februar 2005 kurz vor 21 Uhr peitschten drei Pistolenschüsse durch die Tempelhofer Oberlandstraße, dreimal wurde die 23-jährige Aynur Hatun Sürücü im Kopf getroffen. Die alleinerziehende Mutter starb auf dem Gehweg. Von Anfang an galt das Verbrechen an der 23-Jährigen, die einen westlichen Lebensstil gepflegt hatte, als sogenannter Ehrenmord. Die Polizei nahm kurz nach der Bluttat drei Brüder von Hatun fest: Ayhan, Mutlu und Alpaslan Sürücü.

DER PROZESS
Im Juli 2005 wurde gegen die drei Brüder Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben. Im Prozess ließ der damals 19-jährige jüngste Bruder Ayhan von seinem Anwalt verlesen: „Ich habe meine Schwester getötet, ich habe die Tat allein begangen, niemand hat mir geholfen.“ Laut Anklage waren drei der fünf Brüder an dem Mord beteiligt: Mutlu soll die Waffe besorgt, Alpaslan Schmiere gestanden haben. Als Kronzeugin hörte das Gericht die Ex-Freundin von Ayhan, die damals 19-jährige Melek, die ins Zeugenschutzprogramm kam. Das Landgericht verurteilte Ayhan Sürücü wegen Mordes zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft. Seine Brüder sprachen die Richter frei. Ihnen konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden. Gegen diese Freisprüche legte die Anklage Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob 2007 die Freisprüche auf. Das Landgericht müsse über die möglichen „Verstrickungen der Brüder“ erneut urteilen, hieß es.

DER AUSGANG
Die beiden zunächst freigesprochenen Brüder befanden sich zum damaligen Zeitpunkt schon in der Türkei. Mutlu Sürücü hatte die deutsche Staatsbürgerschaft. Um ein neues Verfahren eröffnen zu können, wurde ein internationaler Haftbefehl beantragt und über Interpol ausgeschrieben. Im Fall von Alpaslan Sürücü war es aufgrund seiner türkischen Staatsbürgerschaft allenfalls möglich, das Verfahren an die Türkei abzugeben. Die türkischen Behörden lehnten es ab, Alpaslan und Mutlu Sürücü auszuliefern. Die Staatsanwaltschaft stellte 2008 das Verfahren ein.

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