Chronik : Der zähe Kampf um Berlins besetzte Häuser

03.02.2011 10:42 UhrVon Lars von Törne

DIE ANFÄNGE

In den späten 1970er und frühen 80er Jahren erlebte die Besetzerszene in West-Berlin ihre erste Hochphase. Als Reaktion auf die Sanierungspolitik des Senats war es zu Wohnungsknappheit gekommen, auf die vor allem jüngere, politisch links stehende Menschen reagierten, indem sie leerstehende, oft für den Abriss vorgesehen Häuser besetzten, darunter auch das Bethanien-Krankenhaus („Georg-von-Rauch-Haus“). 1980/81 waren rund 160 Häuser in West-Berlin besetzt.

HARTE KÄMPFE

Die Versuche der Polizei, Häuser zu räumen, führten zu Straßenschlachten, von denen manche mehrere Tage dauerten, so die „Schlacht am Fraenkelufer“ im Dezember 1980 in Kreuzberg, die als die Geburtsstunde der autonomen Bewegung in Berlin gilt.

1981 beschloss der Senat die „Berliner Linie“, nach der besetzte Häuser binnen 24 Stunden zu räumen sind. Bei Protesten gegen eine Räumung in der Schöneberger Bülowstraße 89 starb am 22. September 1981 der Demonstrant Klaus-Jürgen Rattay, der bei Auseinandersetzungen mit der Polizei vor einen Bus geraten war. In der Folgezeit wurden die meisten besetzten Häuser entweder geräumt oder die Besetzer schlossen Mietverträge ab.



NACH DER WENDE 

In der Zeit nach dem Fall der Mauer im November 1989 wurden erneut zahlreiche leerstehende und teilweise vom Abriss bedrohte Häuser besetzt, diesmal überwiegend im Osten der Stadt, darunter auch das später als Kunsthaus Tacheles bekannt gewordene Gebäude, das diesen April zwangsversteigert werden soll, sowie das 1991 legalisierte Wohnprojekt Köpi. Die Besetzerszene konzentrierte sich unter anderem in den Seitenstraßen der Frankfurter Allee in Friedrichshain, wo sich auch die Liebigstraße befindet. Zwischenzeitlich gab es hier und in anderen Teilen Ost-Berlins 150 besetzte Häuser, in denen alternativ eingestellte Menschen ihre Utopie von einem anderen Leben zu verwirklichen suchten.

ENDE MIT GEWALT

Das Zentrum der Hausbesetzerbewegung der Nachwendezeit war in dieser knapp ein Jahr andauernden zweiten Hochphase der Bewegung die Mainzer Straße in Friedrichshain. Sie wurde im November 1990 geräumt – und Berlin erlebte die schlimmste Straßenschlacht der Nachkriegszeit. Tausende Polizisten räumten damals die von Hausbesetzern abgeriegelte Mainzer Straße, an dem Einsatz zerbrach der rot-grüne Senat. Für die meisten anderen Häuser wurden Mietverträge abgeschlossen – oder sie wurden geräumt.

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