DAS SPIEL
Am 4. März standen Percy und Olli wieder auf dem Fußballplatz. Auch Hilal war mit seiner Mannschaft dort.
DIE MUTTER Man kann den Platz hier vom Flurfenster aus sehen. Da ist sonntags immer etwas los. Jusef lag noch im Bett, da ging der Kleine zum Fußballspielen hinunter. Die spielen so lange, bis sie von den Älteren verjagt werden.
DER BRUDER An dem Tag durfte ich bei den Großen mitspielen.
Jusefs Bruder hat in der Tür zum Wohnzimmer gestanden. Nun wird er von seiner Mutter gebeten, Teewasser aufzusetzen. Als er das getan hat, kehrt er zurück, aber das Zimmer betritt er nicht. Er verharrt auf der Schwelle, nestelt an seinem Mobiltelefon. Dann sagt er, dass ab einem bestimmten Alter, „also mit 15, 16 Jahren, wenn die sehen, dass du nicht schlecht bist“, auch einer wie er habe mitmachen dürfen. Denn die Älteren wollten nicht verlieren. Früher habe er deshalb nur zugesehen. An diesem Tag aber sei er mit Olli und Percy in einer Mannschaft gewesen.
DIE MUTTER Als der Kleine wiederkam, sagte er, dass es Streit gegeben habe. Ein paar hätten sich geprügelt. Ich fragte, wer.
DER BRUDER Ich kannte die nicht.
OLLI Seit 15 Jahren spielen Percy und ich sonntags Fußball. Fünf Mann bilden ein Team, wir sind das einzige gemischte. Früher haben wir mit den Vätern der Jugendlichen gekickt, die heute immer kommen.
DER BRUDER Ich stand daneben, als in der gegnerischen Mannschaft Streit aufkam.
OLLI Ein Araber namens Black* hatte von Hilal einen schlechten Pass zugespielt bekommen, so dass er den Ball wütend wegdrosch und sagte: „Mit dir spiel ich nicht mehr, geh nach Hause.“ Hilal ging, telefonierte und kehrte dann zurück: „Nee, ich spiel doch mit.“ Klar, macht jeder so.
DER BRUDER Plötzlich tauchte Hilals großer Bruder auf.
OLLI Er ging auf Black zu und klatschte ihm eine. Black hielt sich die Wange, blickte zu Boden: „Ist ja gut, ich lass deinen Bruder in Ruhe.“ Aber Hilals Bruder fand, dass das nicht genügte. Er krempelte die Ärmel hoch. Da mischte sich einer von uns ein. Antoni*: „Ey, wir kennen uns doch alle! Ich kenn dich als kleinen Jungen!“ Daraufhin der Bruder: „Wer bist du denn, was bildest du dir ein, mit mir zu reden?“ Er ging auf Antoni los. Der aber packte ihn am Hals und drückte ihn gegen den Maschendrahtzaun. Ich dazwischen: Hey, was soll denn das? Dann war auch Hilal mit von der Partie. Ich: Schluss jetzt! Schluss jetzt!
DER BRUDER Hilals ganze Familie tauchte auf. Olli und Percy stellten sich hinter Black, den sie wohl kannten, obwohl er bei den Gegnern gespielt hatte.
OLLI Cousins und Onkel, ältere Burschen, bestimmt elf Mann waren aufgelaufen. Da deutete Hilal plötzlich mit dem Finger auf Percy und mich und sagte „Die beiden Deutschen, der und der.“
DER BRUDER Black, der den Streit mit Hilal gehabt hatte, war abgehauen. Es hieß, Hilals Klan gegen Olli und Percy.
OLLI Ein kleiner Glatzkopf kam auf mich zu. Er fummelte an seinem Handy, als sei das gerade besonders wichtig. – „Komm, lass mal reden!“ – Nee, du kommst mir nicht zu nah. – Ich kenn das. Erst wollen sie Vertrauen wecken, und plötzlich hat man ihren Kopf im Gesicht. Ich hielt Distanz, indem ich rückwärts vor ihm weg bin.
DER BRUDER Richtig eskaliert ist die Sache, als Hilals Mutter erschien.
OLLI Hilal stand vor mir, ich hielt seine Arme fest. Seine Mutter stand neben uns. Und er schrie immer: „Meine Mutter ist da, hast du kein’ Respekt vor meiner Mutter?“ – Doch, hatte ich und ließ ihn los. Ich ahnte, dass er aus der Lautstärke, mit der er brüllte, Kraft zu schöpfen versuchte für einen Kopfstoß, der auch prompt kam. Da habe ich ihm eine mitgegeben.
DER BRUDER Der Kampf verlagerte sich auf die Straße. Wir Jüngeren, die wir nicht gemeint waren, hinterher.
OLLI Percy ist wie ein Pitbull. Wenn ihn jemand schlägt, dann gibt es für ihn nur noch diesen einen Typen, auf den er sich stürzt. Er riss dem Glatzkopf am Mund. Während er mit Schlägen traktiert wurde. Er kam hoch, mit zerzaustem Kopf, sein Auge war geschwollen, sein Gesicht matschig. Und er sagte: „Die wollen nicht aufhören, ich kann nicht mehr.“ Aber die waren nun auch benommen. Mit der Gegenwehr hatten die nicht gerechnet.
- Es war ein schöner Tag
- „Okay, Hilal, ich foul dich nicht!“
- Die Älteren wollen nicht verlieren
- Sie spielen mit der Playstation und lachen.
- Jusef sagte: "Ihr geht jetzt."
- Der Kerl war nur so Hallo-und-Tschüss.
- "Im Flur lehnte mein Baseballschläger."
- "Die waren jünger als wir, aber das zählt heute nicht mehr."
- Jusef schlug zu, als erster, ins Gesicht.
- Einer liegt am Boden.
- Der Tote, so erfährt er jetzt, ist der Cousin eines Freundes.
- "Das hat so viel gekostet", stöhnt Sascha.
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