Berlin : Chronik eines angekündigten Krawalls

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13.30 Uhr, Oranienplatz. Einige hundert Demonstranten haben sich dort versammelt. Die Kundgebung der orthodoxen Kommunisten beginnt, die die erste „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ dieses Tages angemeldet haben: die „13-Uhr-Demo“.

15 Uhr, Oranienplatz. Die Demo beginnt. Etwa 1000 Leute laufen mit. Die Polizei begleitet sie ohne Kampfmontur.

16.40 Uhr, Mariannenplatz. Ein friedliches Fest. Grillen, Tanzen, Live-Bands.

17 Uhr, Görlitzer Bahnhof. Zur Demo stoßen die Leute der in diesem Jahr erstmalig angemeldeten „16-Uhr-Demo“. Jetzt sind es ungefähr 4000, die weiterhin friedlich durch Kreuzberg ziehen.

18.15 Uhr Oranienplatz. Die Demonstration löst sich auf. Viele Teilnehmer begeben sich zum Rosa-Luxemburg-Platz, wo die dritte „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ des Tages starten soll: die traditionell krawallträchtige „18-Uhr-Demo“.

19.05 Uhr, Oranienplatz. Erste Steinwürfe. aus einer Menge von 2000 bis 3000 Menschen. Der bereits in der Nacht zuvor geplünderte „Plus“-Supermarkt wird aufs Neue geplündert. Nach einigen Minuten kommt die Polizei.

19.30 Uhr Rosa-Luxemburg-Platz. Die 18-Uhr-Demo startet mit rund 10 000 Teilnehmern. Die Nebenstraßen der Route sind von Räumpanzern, Wasserwerfern und Polizeiketten gesperrt. Nur „Deeskalationsbeamte“ mit schwarzer Base-Cap begleiten den Zug. Die Atmosphäre ist entspannt.

19.40 Uhr, Oranienplatz. Wieder Ruhe. Die Polizei bleibt vor Ort.

19.45 Uhr, Heinrichplatz. Rund 100 Randalierer attackieren die Polizei mit Steinen und zerstören eine Bushaltestelle. Augenzeugen sagen, sie hätten ohne ersichtlichen Anlass losgeschlagen. Die Polizei setzt Tränengas ein und bleibt vor Ort.

20.20 Uhr, Mariannenplatz. Zwei Autos sind angezündet und wieder gelöscht worden. Ein Hubschrauber kreist über SO 36.

20.30 Uhr, Waldemarstraße. Ein Auto ist umgestürzt worden und brennt. Mülltonnen werden auf die Straße gerollt, der Barrikadenbau beginnt. Wasserwerfereinsatz.

20.25 Uhr, Mariannenplatz. Aus unbekannten Gründen bricht eine Massenschlägerei zwischen Türken und Arabern aus

20.30 Uhr, Jannowitzbrücke. Gleich ist die Demo in Kreuzberg. Die Deeskalationsbeamten werden gezielt provoziert: Aus nächster Entfernung werden sie von den Randalierern als „Bullenschweine“ beschimpft.

20.45 Uhr, Naunynstraße. Ein Motorrad brennt. Junge Araber vollführen davor Break-Dance. In der Waldemarstraße Steine, Wasserwerfer und Tränengas.

20.50 Uhr, Michaelkirchplatz. Die Demonstration wird von der Polizei aufgelöst. Die Stimmung kippt. Steine fliegen. Die Polizei sperrt den Weg nach Kreuzberg, rückt mit Wasserwerfern rücken vor.

21.15 Uhr, zwischen Kottbusser, Oranien- und Mariannenplatz. Türkische und arabische Jugendliche sowie einige Punks liefern sich Scharmützel mit der Polizei.

21.30, Adalbertstraße. Autos und Barrikaden brennen. Wasserwerfer räumen auf.

21.35 Uhr, Michaelkirchstraße. Einige hundert Autonome stehen Wasserwerfern gegenüber. Es fliegen keine Steine mehr.

22.15 Uhr, Oranienplatz. Es wird friedlich. Ein italienischer Eisverkäufer macht guten Umsatz. An den anderen Kampfplätzen gibt es immer wieder kleinere Auseinandersetzungen.ac/babs/chv/fan/ha/how/weso

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