Berlin : CHRONIK

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Die Krankenschwester Irene Moessinger kauft mit einer Erbschaft ein Zirkuszelt und gründet das alternative Veranstaltungszentrum Tempodrom auf dem Potsdamer Platz.

1984: Umzug in den Tiergarten.

September 1992: Bund und Senat finden, dass für das Tempodrom im geplanten Regierungsviertel kein Platz ist.

1995: Kreuzberg bietet den Platz am Anhalter Bahnhof an. Initiator ist der damalige Bezirksbürgermeister Peter Strieder (SPD). Der Bau soll 16,4 Mio. Euro kosten. Das Geld soll von Bund, EU, Land und Spendern kommen.

21. Mai 2000: Der Bau beginnt. Geplante Kosten jetzt: 23 Millionen Euro.

Oktober 2000: Die Landesbank Berlin gibt einen 12,8-Mio.-Euro-Kredit, für den das Land zu 80 Prozent bürgt.

9. Oktober 2001: Die Kosten explodieren. Der rot-grüne Übergangssenat schießt 6,54 Millionen Euro zu.

21. Oktober 2001: Berlins SPD feiert ihren Wahlsieg. Das Büfett im VIP-Bereich sponsert Bauunternehmer und Tempodrom-Förderer Roland Specker.

8. Dezember 2001: Das Tempodrom wird mit einer großen Gala eröffnet.

Herbst 2002: Wegen Zahlungsschwierigkeiten schießt die landeseigene Bank IBB 1,74 Millionen Euro zu.

Februar 2003: Das Abgeordnetenhaus verweigert einen weiteren Zuschuss von 900000 Euro. Ein Käufer wird gesucht. Die Kaufsumme soll bei etwa 2,5 Millionen Euro liegen.

November 2003: Der Rechnungshof rügt die letzte Zahlung der IBB von 1,74 Millionen Euro als rechtswidrig.

Dezember 2003: Die CDU erstattet Strafanzeige gegen Strieder wegen Untreue. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Februar 2004: Der Tagesspiegel enthüllt neue Details über das Tempodrom. Daraufhin weitet die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen Untreue auf Finanzsenator Thilo Sarrazin und Wirtschafts-Staatssekretär Volkmar Strauch (beide SPD) sowie auf Specker wegen Verdachts der Vorteilsgewährung aus. Das Parlament setzt einen Untersuchungsausschuss ein.

9. März 2004: Die SPD bestätigt drei Buchungsfehler im Wahlkampf 2001, darunter bei dem vom Tagesspiegel aufgedeckten Sponsoring von Specker.

26. März 2004: Der Staatsanwalt ermittelt wegen eines weiteren Sponsorings für die SPD gegen den Ex-Chef der mehrheitlich landeseigenen Berlinwasser Holding, Thomas Mecke.

30. März: Der Senat lässt das Tempodrom in die Insolvenz gehen. dpa/lvt

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