Chuck-Chuck : Rhythmus für die Hosentasche

Zwei Berliner haben ein Instrument erfunden: Chuck-Chuck nennen sie das. Was als Reiseschlagzeug für Profis begann, hilft heute vor allem Musikschulen.

Jessica Tomala
Trommler. Oliver Skopec (links) und Paul Müller-Osten.
Trommler. Oliver Skopec (links) und Paul Müller-Osten.Fotos: Doris Spiekermann-Klaas

Die Form erinnert an einen ungekrümmten Bumerang. Werfen kann man das Chuck-Chuck aber nicht. Spielen schon. „Das kleinste Schlagzeug der Welt“ nennen es die Macher selbst und fangen gleich an: „Boom-Boom-Klack. Boom- Boom-Klack.“ Sofort ist klar, wie der Name entstand. Boom-Klack. Boom- Klack-Boom. Immer schneller trommelt Paul Müller-Osten mit dem kleinen Gerät auf dem Tisch herum.

„Es dient vor allem als Übungsgerät für Schlagzeuger, Kinder und Schüler“, sagt Erfinder Müller-Osten und fügt grinsend hinzu: „Eigentlich für alle Leute, die eben ständig herumtrommeln müssen.“ Ob er selbst dazugehört? Je nach Unterfläche ändert sich der Sound: ob auf Tassen, Holzplatten, Marmortischen, Plastikstühlen oder Fensterscheiben, überall kann getrommelt werden. Getrommelt wird hauptsächlich auf den unteren Kanten des Instruments, die abgerundet und mit einer Spitze versehen sind. Auf jeder Seite befinden sich außerdem fünf Löcher, mit denen der Schwierigkeitsgrad angepasst werden kann. „Je weiter innen man das Chuck-Chuck hält, desto schwieriger wird es“, sagt Oliver Skopec, der für die Vervielfältigung zuständig ist. „Alles, was ich am äußersten Loch schon kann, heißt noch lange nicht, dass ich es auch innen kann.“ Selbst an die Nachbarn haben die Macher gedacht. Mit kleinen Noppen versehen kann man das Chuck- Chuck quasi lautlos stellen, „dann gibt das Chuck-Chuck keinen Ton von sich und dient als reines Übungsinstrument“, sagt Müller-Osten. Im Restaurant, im Zug, überall kann so getrommelt werden.

Video

Die Idee kam Paul Müller-Osten, der früher professioneller Schlagzeuger war, als er im Tourbus unterwegs war. „Ich hatte keine Sticks dabei, wollte mich aber etwas warmspielen.“ Da nahm er einfach ein Feuerzeug und machte auf dem Armaturenbrett etwas Rhythmus. So kam dem 38-Jährigen, der seit dem Studium in Berlin lebt, die Idee: ein Instrument, das nicht so sperrig ist wie ein Feuerzeug, aber trotzdem in die Hosentasche passt. Gemeinsam mit dem Produktdesigner Niels Kleindienst gaben sie dem Chuck-Chuck den letzten Schliff.

Nun arbeiten die Gründer schon wieder an einer Weiterentwicklung, Variationen soll es geben, aus Holz und mit Schellen dran. Die Zukunft des Chuck-Chucks sehen die Macher nicht nur in der professionellen musikalischen Welt, sondern vor allem im Bildungsbereich. „Für Kinder ist das Chuck-Chuck wie gemacht“, sagt Oliver Skopec, der seit seiner Jugend Schlagzeug spielt. „Wir verkaufen die meisten Chuck-Chucks an Musikschulen.“ So haben Kathrin Weißig von der Musikschule Fröhlich in Panketal und Alfred Mehnert, künstlerischer Leiter des Kreuzberger Kulturvereins Populare e.V. bereits Klassensätze für ihre Schüler bestellt. „Kinder lernen damit einfach auf coole Weise Rhythmusgefühl“, sagt Skopec. „Das ist gar nicht so einfach, wenn ich da an meine Kindheit und die Triangel zurückdenke.“

Aber auch professionelle Musiker nutzen den Rhythmusassistenten. Beim Videoportal YouTube zeigen zum Beispiel die Musiker der Blue Man Group, was sie mit dem Chuck-Chuck so anstellen können. Auch Cold Steel, die den Berliner Musiker Peter Fox auf seinen Tourneen begleitet haben, sind mit dem Instrument zu sehen. Das Größte war für sie allerdings das Zusammentreffen mit Pete York, einem der besten Schlagzeuger der Welt. „Wir haben ihn in einer Hotellobby getroffen und ihm das Chuck-Chuck gezeigt“, erzählt Müller-Osten stolz. York habe in seinem Hotelzimmer ein Video damit aufgenommen. „Außerdem hat er gleich 50 Chuck-Chucks für seinen Privatgebrauch bestellt, die er selbst unterschrieben hat und auch an Freunde verschenken wollte.“

Das Chuck-Chuck kostet 9,90 Euro und kann im Internet bestellt werden unter: www.chuck-chuck.com

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