Berlin : Cinema Paradiso

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Andreas Conrad über

die kleinen Freuden des Autokinos

Soso, ein Autokino. Er schüttelte den Kopf. Hatte es hier zuletzt im vorigen Jahrtausend gegeben, irgendwo im Südwesten der Stadt. Lohnte sich nicht mehr. Nur in der Provinz konnte dergleichen noch überleben, in Zempow beispielsweise, kurz vor der Grenze zu MecklenburgVorpommern. Hat dort sogar die Wende überdauert. Hingefahren war er nie. Und nun schon bald auf dem Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, mit UKW-Tonübertragung direkt ins Autoradio. Respekt, das nennt man Fortschritt!

Zu seiner Zeit musste man sich noch eine Blechkiste ins Auto hängen, die bei den damals populären Katastrophenfilmen bedenklich zu scheppern begann. Aber das wichtigste Problem hat man seither nicht gelöst: Regen. Er dachte mit Grauen an eine Vorstellung im fernen Hannover, gemeinsam mit der kleinen Schwester. James Bond, „Diamantenfieber“. Es goss in Strömen, mit Scheibenwischer und Gebläse ging es. Nur danach lief leider gar nichts mehr: Batterie leer! Und das im Automatik! Anschieben unmöglich. Er war durch den Regen geirrt, vergeblich. Kein Abschleppseil, kein Startkabel, nirgends. Und der für den späteren Abend avisierte Porno rückte immer näher. Nicht das richtige Programm für kleine Schwestern.

Irgendwie ist er doch noch rechtzeitig rausgekommen, musste aber samt Schwester vor dem Kino warten, bis der telefonisch alarmierte Vater zu Hilfe eilte. Der verirrte sich erst auf dem Kinogelände, mittlerweile lief dort ein Film, in dem Bauernburschen ständig ihre Lederhose verloren. Es war nicht ganz einfach, ihm den Abend zu erklären…

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