Berlin : City-Flughafen: Lufthansa fliegt wieder auf Tempelhof

Klaus Kurpjuweit

Sechs Jahre nach dem als endgültig geplanten Abschied von Tempelhof kehrt die Lufthansa im nächsten Frühjahr mit einem Teil des Linienverkehrs von Tegel auf den City-Flughafen zurück. Vom 25. März an werden über Tempelhof alle Flüge der Lufthansa und ihres Partners Eurowings von und nach Nürnberg abgewickelt. Damit wolle man ein Zeichen für die ausstehende politische Entscheidung setzen, Tempelhof bis zur Inbetriebnahme des Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld weiter zu betreiben, sagte gestern der Berliner Lufthansa-Chef Ekkehard Tschirner. Die Flughafengesellschaft lässt den für 2002 terminierten Schließungsantrag, wie berichtet, bereits ruhen.

Die Lufthansa will sich mit dem Teilrückumzug nach Tempelhof selbst etwas Luft in Tegel verschaffen. Dort will sie ihr Angebot ausweiten, vor allem mit Zubringerflügen von Stuttgart, Wien und Zürich für die Nonstop-Flüge nach Washington, die am 26. März aufgenommen werden. Außerdem prüfe sie weitere Nonstop-Verbindungen, sagte Tschirner. Im Gespräch sind unter anderem Flüge nach New York. Tegel aber hat die rechnerische Kapazitätsgrenze, die beim Bau mit etwa fünf Millionen Passagieren im Jahr angegeben war, längst überschritten. Jetzt steht ein weiterer Rekord bevor: In der nächsten Woche wird der zehnmillionste Passagier dieses Jahres erwartet.

Tschirner fordert deshalb für Tegel weitere Verbesserungen. Der "kapazitätsausschöpfende" Umbau, der zu etwa 20 weiteren Abfertigungsschaltern führt, müsse schnell abgeschlossen werden; erforderlich seien zudem weitere Parkplätze und eine zusätzliche Straßenverbindung, wie sie auch bereits die Industrie- und Handelskammer vorgeschlagen hat. Die Zufahrt zum Flughafen wird im nächsten Jahr ohnehin kompliziert, wenn die Verbindung vom Stadtautobahn-Ring Richtung Norden am Jakob-Kaiser-Platz gesperrt wird, um die Rampe zu sanieren.

Außerdem setzt sich die Lufthansa dafür ein, den Ferienflugverkehr von Tegel nach Schönefeld zu verlagern, um weiteren Platz für den Linienverkehr in Tegel zu schaffen. Die Lufthansa-Tochter Condor fliegt bereits von Schönefeld aus. Tschirner ist überzeugt, dass der Flugverkehr weiter zunehmen wird. Allein die Lufthansa werde in diesem Jahr im Berlin-Verkehr 8,6 Prozent mehr Passagiere haben als 1999. Damit liege Berlin über dem Bundesdurchschnitt.

Tschirner stellte allerdings klar, dass es nach der Eröffnung des Flughafens BBI in Schönefeld keinen Linienbetrieb in Tegel und Tempelhof mehr geben könne. Die CDU will beide Anlagen als Verkehrsflughäfen offen halten. Dies dürfe jedoch keinesfalls finanziell zu Lasten der Flughafengesellschaft geschehen, sagte Tschirner. Kostendeckend sei weder ein Regierungsflughafen in Tegel noch ein Gewerbepark mit angeschlossener Start- und Landebahn in Tempelhof zu betreiben.

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