City-West : Bahnhof Zoo bleibt abgehängt

Bahn will Fernzüge weiter nicht in der City-West halten lassen. Der neue Vorstand bleibt auf der Mehdorn-Linie.

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn bewegt sich nicht. Auch wenn durch das 2006 eingeführte Verkehrskonzept mit dem Hauptbahnhof als Mittelpunkt mehr als 65 Prozent der Berliner längere Wege zurücklegen müssen, um einen Fernzug zu erreichen, lehnt das Unternehmen es weiter ab, ihre ICE- und IC-Züge wieder am Bahnhof Zoo halten zu lassen. Bei einem Stopp würde sich der Weg zu den Fernzügen vor allem für die Bewohner aus dem Südwesten der Stadt zum Teil wieder verkürzen.

Der Stadtökonom Gabriel M. Ahlfeldt aus London hat, wie berichtet, untersucht, wie sich das neue Bahnkonzept auf die Fahrzeiten auswirkt, die man stadtweit aufbringen muss, um einen Fernbahnhof zu erreichen. Demnach haben durch die Aufgabe von Fahrten ab dem Ostbahnhof und durch den Verzicht auf einen Stopp im Bahnhof Zoo zwei Drittel der Berliner bei der Anfahrt Nachteile. Sie werden nicht mit den Vorteilen durch die neuen Fernbahnhöfe Gesundbrunnen und Südkreuz ausgeglichen.

Ein Halt im Bahnhof Zoo würde aber nicht alle Wege zu den Fernzügen verkürzen, da die Bahnen im Nord-Süd-Verkehr Zoo gar nicht mehr passieren, sondern durch den neuen Tunnel fahren. Aber im Ost-West-Verkehr Richtung Hannover, Frankfurt, Köln, Stuttgart oder auch Basel, Interlaken und Kopenhagen könnten die Züge im Bahnhof Zoo halten – wie jetzt auch im Ostbahnhof und in Spandau.

Die Fahrt ohne Halt durch den Bahnhof Zoo wird bei der Bahn nach Angaben von Insidern längst als Dogma gesehen. „Alle guten Gründe der Welt könnten für einen Stopp sprechen, er wird aber nicht mehr kommen“, sagte ein ranghoher Mitarbeiter am Montag.

Den Verzicht auf den Halt hatte der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn durchgesetzt, um den neuen Hauptbahnhof mit möglichst vielen Fahrgästen füllen zu können. So ließen sich die Laden- und Restaurantflächen dort besser vermieten. Mehdorns Nachfolger Rüdiger Grube hält sich strikt an diese Vorgaben. Alle Bitten, die Entscheidung seines Vorgängers zu revidieren, hat er abgelehnt. So ist bei ihm Charlottenburgs Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) ebenso abgeblitzt wie der EU-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne). Beide hatten gehofft, nach dem Wechsel an der Bahnspitze könne es auch einen Wechsel in der Haltung zum Bahnhof Zoo geben. Doch nicht einmal auf dem Höhepunkt der S-Bahn-Krise wollte sich die Bahn dazu durchringen, obwohl sie mehrfach darum gebeten worden war.

Die Grünen-Abgeordnete Franziska Eichstädt-Bohlig wies gestern erneut darauf hin, dass der Bahnhof Zoo erst in den 90er Jahren für den Halt von langen ICE–Zügen aufwändig mit Steuergeldern umgebaut worden ist. Unter anderem wurden die Bahnsteige verlängert, um Züge mit rund einem Dutzend Wagen halten lassen zu können. Heute stehen hier meist nur Regionalzüge mit maximal fünf Wagen an den langen Bahnsteigen.

Der Ausbau war auch erfolgt, weil im damaligen Bahnkonzept vorgesehen war, die Züge im Ost-West-Verkehr auch weiter am Zoo halten zu lassen. Dieses von der Bahn einseitig aufgegebene Konzept müsse umgesetzt werden, forderte Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb. Dazu gehöre auch der Stopp am Zoo.

Der Senat verweist darauf, dass er mehrfach den Halt gefordert habe. Eine neue Initiative sei jetzt nicht geplant.

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