City West : Das Volk entscheidet über die Ku'damm-Bühnen

An diesem Sonntag stimmen die Bürger in der City West über die Zukunft der Ku’damm-Bühnen ab. Wir fassen zusammen, worum es geht.

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Bedrohte Bühnen. Beim Bürgerentscheid geht es um den Abriss der beiden Ku’damm-Theater für einen Neubau mit einer Ersatzspielstätte in der dritten Etage.
Bedrohte Bühnen. Beim Bürgerentscheid geht es um den Abriss der beiden Ku’damm-Theater für einen Neubau mit einer...Foto: dapd

Am heutigen Sonntag ist es so weit: Alle Wahlberechtigten in Charlottenburg-Wilmersdorf können beim Bürgerentscheid über das Theater und die Komödie darüber abstimmen, ob deren Säle aus den 20er Jahren unverändert erhalten werden sollen. In diesem Fall muss man mit „Ja“ votieren. Verwirrend ist, dass sich die – teils direkt untereinander an Masten montierten – gelben Plakate des Vereins „Rettet die Ku’damm-Bühnen“ und die blauen des irischen Investors Ballymore ähneln. Bei Ballymore heißt es: „Ja zum neuen Ku’damm-Karree von David Chipperfield“ und „Ja zu einer Zukunft für das Theater am Kurfürstendamm“. Wer für den Abriss der alten Bühnen zugunsten eines Theaterneubaus ist, muss jedoch „Nein“ ankreuzen und so die Forderungen des Rettungsvereins ablehnen. Wir fassen zusammen, worum es geht:

DAS BEGEHREN

Ein Bürgerentscheid kann sich nicht direkt gegen einen privaten Investor richten. Deshalb wird das Bezirksamt aufgefordert, „alle geeigneten planungsrechtlichen Instrumente auszuschöpfen“, um die Boulevardtheater „in ihrer Nutzung und in ihrem baulichen Zustand zu sichern“. Abstimmen dürfen Bürger mit Wohnsitz in Charlottenburg-Wilmersdorf. Für einen Erfolg müssen mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten teilnehmen – das entspricht 35 686 Menschen. Von diesen muss mehr als die Hälfte mit „Ja“ votieren. Die Abstimmungslokale öffnen von 8 bis 18 Uhr. Das Ergebnis ist rechtlich nicht bindend. Setzt sich der Verein durch, wäre aber mit neuen Debatten in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zu rechnen.

Umbau des Ku'damm-Karrees
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf soll mit der Planung für den Umbau des Ku'damm-Karrees beginnen. Im dritten Stock ist ein Theater vorgesehen.Alle Bilder anzeigen
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01.01.2000 00:00Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf soll mit der Planung für den Umbau des Ku'damm-Karrees beginnen. Im dritten Stock ist...

DIE INITIATOREN

Die treibende Kraft im Rettungsverein ist der Chef des Berliner Theaterclubs, Otfried Laur. Hinter dem Verein und dem Bürgerentscheid stehen auch Schauspieler wie Jochen Busse, Edith Hancke, Hans- Jürgen Schatz und Klaus Sonnenschein sowie die Stadtentwicklungsexpertin der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig.

DIE GEGNER

Die BVV hat den Neubauplänen nach Überarbeitungen zugestimmt. Theaterintendant Martin Woelffer und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) appellierten an den Verein, auf den Bürgerentscheid zu verzichten, da dieser sich „kontraproduktiv“ auswirken könne. Denn niemand weiß, ob und wie der Theaterbetrieb bei einem Rückzug des Investors weitergehen könnte. Ballymore sieht sich unter Druck der irischen Finanzaufsicht: Bis Monatsende müsse klar sein, ob das Ku’damm-Karree ab 2012 in der geplanten Form umgebaut werden kann. Sonst stehe das 500 Millionen Euro teure Projekt auf der Kippe.

DIE BÜHNENGESCHICHTE

Beide Bühnen wurden in den 20er Jahren vom berühmten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann gestaltet und lange von Max Reinhardt geführt. Später übernahm Hans Wölffer, gefolgt von seinem Sohn Jürgen und dessen Sohn Martin, die Häuser. Die Reihe beliebter Schauspieler, die dort aufgetreten sind, ist lang – darunter Brigitte Grothum, Harald Juhnke, Brigitte Mira, Günter Pfitzmann, Katja Riemann und Katharina Thalbach. Anfang der 70er Jahre entstand das Ku’damm-Karree, in das die Säle integriert wurden.

Blick in den Theatersaal
Blick in den TheatersaalFoto: dapd

DER ERSTE KAMPF UM DIE THEATER

2003 kaufte eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank das Ku’damm-Karree und plante den ersatzlosen Abriss der Theater für ein Shoppingcenter. Zum Jahresende 2006 wurden die Verträge gekündigt, was zu starken Protesten führte. Die Gegner sammelten 240 000 Unterschriften. Später erwarb der Finanzinvestor Fortress das Ku’damm-Karree und verkaufte es 2007 weiter an Ballymore.



DIE NEUEN PLÄNE

Nach den Entwürfen des britischen Stararchitekten David Chipperfield sollen die alten Theatersäle weichen. Laut Ballymore würden sie den Eingang der geplanten Einkaufspassage „blockieren“ und das Projekt unwirtschaftlich machen. Mit Intendant Woelffer und seinem Vater Jürgen einigte man sich auf einen Theaterneubau mit 650 Plätzen in der dritten Etage, der den historischen Vorbildern ähneln soll. Unten am Ku’damm verspricht der Investor einen „geräumigen Eingangsbereich mit Ticketverkauf“. Der Vertrag soll mindestens 20 Jahre lang gelten. Offen ist noch die Zukunft der Ausstellung „Story of Berlin“ im Ku’damm-Karree.

STREIT UMS SHOPPING

Es geht nicht allein um die Bühnen. So wies Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) darauf hin, dass der weitgehende Leerstand des Ku’damm-Karres beendet werden müsse. Dagegen warnen die Initiatoren des Bürgerentscheids vor einer Shoppingmall, die den Boulevardcharakter des Ku’damms bedrohe. Ihr Vergleich mit den Potsdamer-Platz- Arkaden hinkt allerdings: Mit 21 000 Quadratmetern Verkaufsfläche würde die Passage nur rund halb so groß wie die Arkaden (40 000 Quadratmeter).

INFORMATIONEN IM NETZ

Unter www.rettet-die-kudammbuehnen.de informiert der Verein über seine Forderungen. Ballymore und Architekt Chipperfield stellen ihre Pläne unter www.dasneuekudammkarree.de vor.

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