City-West : Zoo-Palast wird aufgemöbelt

Der Kinoerneuerer Hans-Joachim Flebbe übernimmt das Haus am Breitscheidplatz. Es soll als Kino-Lounge Ende 2012 eröffnen.

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Hans-Joachim Flebbe ist der neue Betreiber des Zoo-Palastes am Breitscheidplatz. Dienstag unterzeichnete der „leidenschaftliche Kinoliebhaber“, wie er sich selbst nennt, einen Nutzungsvertrag mit der Bayerischen Hausbau, der das traditionsreiche Filmtheater gehört. Flebbe hatte mit seiner Cinemaxx-Kette die verstaubte Kinokultur im Lande kräftig entlüftet und war Mitte der 90er Jahre Deutschlands größter Kinobetreiber. In der Kinokrise Ende der 2000er Jahre zog er sich zurück. Jetzt ist er wieder da.

„Wir werden dem Zoo-Palast seine Seele wiedergeben“, sagt Hans-Joachim Flebbe. Das wird keine leichte Aufgabe, denn seit dem Umzug der Berlinale an den Potsdamer Platz im Jahr 2000 hatte es das denkmalgeschützte Lichtspielhaus zunehmend schwer, die Ränge zu füllen. Allerdings hat Flebbe einen guten Riecher für Trends und stellte dies zuletzt beim Umbau des unweit gelegenen Filmpalastes Berlin unter Beweis. Das Kino heißt nun Astor-Film-Lounge, es gibt eine Garderobe wie im Theater, Getränke werden an den Plätzen serviert – „und dadurch haben wir Zuschauer wiedergewonnen, die für das Kino verloren waren“, so Flebbe – das Berliner Bürgertum, könnte man vielleicht sagen.

Um ein ähnliches Konzept beim Zoo-Palast umzusetzen, will Flebbe vier Millionen Euro allein in den Innenausbau investieren. Das großzügige Foyer wird zu einer Lounge umgestaltet, die Besucher können nach dem Film in die Cocktailbar einkehren und die sieben Lichtspielsäle bieten digitale Projektionstechnik, 3-D-Kino, große Leinwände und breite Kinosessel mit großzügigem Reihenabstand.

Beim Umbau „läuft nichts, was nicht mit dem Denkmalschutz vereinbart wäre“, versicherte ein Konzernsprecher. Und wenn das Haus im September 2012 wieder eröffnet, wird der größte Saal 850 Plätze bieten. An die ganz großen Zeiten des historischen Lichtspieltheaters reicht das nicht heran: Über 2100 Besucher zählte der damalige „Cines Palast“ zur Uraufführung von Fritz Langs „Metropolis“ im Jahr 1927 – das hauseigene Orchester spielte auf zu Klängen der kinoeigenen Orgel. Sogar ein Ballett wurde damals betrieben. Auch nach dem Krieg schloss der neu aufgebaute Zoo-Palast an die guten Zeiten an: 1957 eröffnete Liselotte Pulver den Neubau, der gut vierzig Jahre lang Hauptspielort der Berlinale blieb.

An diese Zeiten will Flebbe anknüpfen. Auch wenn er kaum die Berlinale zurückholen wird, dann vielleicht die eine oder andere Filmpremiere. Schauspielerin Maria Schrader jedenfalls, die zur letzten Berlinale im Zoo-Palast 1999 ihren Film „Aimée und Jaguar“ vorstellte, rührte am Rande der öffentlichkeitswirksam inszenierten Vertragsunterzeichnung die Werbetrommel: „Achim Flebbe den Zoo-Palast anzuvertrauen, ist eine Entscheidung, die ich auch als Berliner Kinobesucherin sehr begrüße.“ Ralf Schönball

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