City West : Zoofenster feiert bald Richtfest

14.10.2010 22:07 UhrVon Cay Dobberke
  • Gleich zwei neue Hochhäuser sollen in Zukunft die Gedächtniskirche überragen. - Simulation: promo
  • Aufbau West. Mit den Neubauten kommen auch Cafés, Bars, Restaurants. Zu einem Szenebezirk wird das Viertel trotzdem nicht, glaubt Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD). - Foto: Kai-Uwe Heinrich
  • Planiermeile statt Flaniermeile. Tagsüber sind der Ku’damm und die Tauentzienstraße die belebtesten Einkaufsstraßen Berlins. Nur die Dauerbaustelle stören das Bild. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Alles neu in der City West: Eine Ausstellung zeigt die vielen Bauprojekte. Und nun soll sogar der Ernst-Reuter-Platz vom Aufschwung profitieren. Als erstes wird das Zoofenster-Hochhaus fertig.

Der Bauboom rund um den Kurfürstendamm hält an. So wird am 22. Oktober das Richtfest für das 32-stöckige „Zoofenster“-Hochhaus am Breitscheidplatzes gefeiert, in dem in einem Jahr das Waldorf-Astoria-Luxushotel eröffnen soll. Anfang kommenden Jahres will auch die Bayerische Hausbau GmbH mit den Bauarbeiten für ihr Projekt „Bikini Berlin“ beginnen – dabei geht es um die Neugestaltung der Gebäude an der Hardenberg- und Budapester Straße, zu denen das Kino Zoo-Palast und das Bikini-Haus aus den 50er Jahren gehören. Ein unverdientes Schattendasein führt dagegen nach Meinung von Experten die Gegend um den Ernst-Reuter-Platz. Dortige Entwicklungspotenziale zeigt nun die Immobilienausstellung „Expo Berlin City West“ im Amerika-Haus.

In Hochhäusern am Platz stünden viele Etagen leer, sagt der Messeveranstalter und Immobilienunternehmer Gottfried Kupsch, der auch dem Vorstand der AG City angehört. Die Nachfrage nach Büros sei lange schwach geblieben, da „Lobbyisten in Regierungsnähe ziehen wollten“ und sich lieber in Mitte ansiedelten. Jetzt gehe es um die Ansiedlung „technologieorientierter Firmen“. Die Nähe zur Technischen Universität (TU), zur Universität der Künste (UdK) und zu Forschungsinstituten wie der Fraunhofer-Gesellschaft sei ein Standortvorteil für solche Unternehmen. Das habe zum Beispiel die Telekom erkannt, die fünf Etagen im einstigen Telefunken-Hochhaus für ihre „Telekom Laboraties“ nutzt.

Als „schlafenden Riesen“ bezeichnet Hardy Rudolf Schmitz die Gegend. Er leitet den Technologiepark Adlershof und die Tochterfirma Adlershof Projekt GmbH, die 2008 im Auftrag des Bezirks am Ernst-Reuter-Platz aktiv wurde. Im November läuft das Projekt „Nachhaltige Vitalisierung des kreativen Quartiers um den Campus Berlin-Charlottenburg (Navi BC)“ aus. Schmitz hält ein „Wachstum wie in Adlershof“ für möglich. Sein Team hat der Senatswirtschaftsverwaltung ein Konzept für ein Gründerzentrum vorgelegt, in dem sich Absolventen der TU oder UdK selbstständig machen können. Dafür ist der Kauf eines Privatgrundstücks geplant, über den Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) voraussichtlich Ende Oktober entscheiden wird. Einen „ungehobenen Schatz“ sieht Projektleiter Schmitz auch in der Zusammenarbeit der beiden Unis. Inzwischen gab es bereits einige gemeinsame Projekte, und die Präsidenten unterzeichneten einen Kooperationsvertrag.

Zu den wichtigen Immobilienbesitzern gehört Christian Pepper, der als Eigentümer des Europa-Centers am Breitscheidplatz bekannt ist. Ihm gehören auch drei Hochhäuser am Ernst-Reuter-Platz sowie ein Gebäude an der nahen Fraunhoferstraße 33-36. Pepper bestätigt, dass zwei seiner Immobilien teilweise leer stehen. Er will die Häuser am Ernst-Reuter-Platz 6 – gemeint ist das große Eckgebäude neben der Polizeiwache – und in der Fraunhoferstraße zugunsten von Neubauten abreißen, da sie nicht mehr den modernen Standards und Erwartungen von Firmen genügten. Auf der neuen Messe sucht er nun Mietinteressenten. Vorgestellt werden bei der Schau auch weitere Bauprojekte in der westlichen Innenstadt. Die Freo Group zum Beispiel baut am Kurfürstendamm 195/Ecke Bleibtreustraße gerade ein Geschäftshaus und saniert das denkmalgeschützte 60er-Jahre- Hochhaus, in dessen Parterre früher der Herrenausstatter Selbach residierte. Nebenan planen neue Investoren den Umbau von Haus Cumberland, während der irische Investor Ballymore das Ku’damm-Karree mit dem Theater und der Komödie am Kurfürstendamm für eine halbe Milliarde Euro modernisieren will. Cay Dobberke

Die Ausstellung „Expo Berlin City West“ läuft bis zum 4. November im Amerika-Haus (Hardenbergstr. 22-24, Mo. bis Fr. 10-18 Uhr). Informationen zum Begleitprogramm gibt es unter www.navi-bc.de.

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