City-West : Zukunft der Shoppingnacht steht in den Sternen

Bis zu 15 Prozent weniger Besucher kamen zum Kaufen in die City-West, und immer weniger Läden beteiligen sich an den Kosten für das Event.

Cay Dobberke

Die 16. „Lange Nacht des Shoppings“ hat am Sonnabend rund 450 000 Besucher in die City-West rund um den Breitscheidplatz gelockt. Organisator Tommy Erbe, der gegen 21 Uhr diese erste Schätzung bekanntgab, zeigte sich „relativ zufrieden“ wusste auch von Geschäften zu berichten, wo es noch besser lief als beim letzten Mal. Insgesamt rechnete er aber mit einem Besucherschwund zwischen 10 und 15 Prozent.

Zahlreiche Geschäfte hatten anlässlich der Umstellung der Uhren auf Sommerzeit bis 24 Uhr geöffnet. Das begleitende Straßenfest geht heute von 12 bis 20 Uhr weiter. Ob und in welcher Form die für den 25. Oktober geplante nächste Shoppingnacht stattfindet, ist hingegen fraglich. Denn einige Läden, die sich früher an den Organisationskosten beteiligt hatten, sind als Partner abgesprungen.

Mitte April will Veranstalter Tommy Erbe mit Vertretern der AG City und Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD) darüber beraten, wie es weitergeht. Denkbar sei ein verändertes Konzept, aber auch ein anderer Termin, sagt er. Bislang fanden die Einkaufspartys jeweils im Frühjahr und Herbst zur Uhren-Umstellung statt. Für das Rahmenprogramm mit Musik, Shows und einem Kunsthandwerkermarkt standen jetzt nur noch 30 Prozent des üblichen Etats zur Verfügung. Erbe ärgert sich über „Trittbrettfahrer“, die ihre Türen bis Mitternacht öffnen, sich aber nicht oder nicht mehr an den Kosten beteiligen.

Nils Busch-Petersen vom Handelsverband erinnert daran, dass die Shoppingnacht bei ihrer Entstehung vor acht Jahren eine „Demo gegen den Ladenschluss“ war. Seit dem Wegfall des Ladenschlussgesetzes habe sie „ihren Charakter als besonderes Ereignis eingebüßt“, überflüssig sei sie trotzdem nicht. Denn der Handelsverband und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin haben festgestellt, dass Spätverkaufsaktionen nur viele Besucher anlocken, wenn zugleich ein Rahmenprogramm geboten wird.

„Die Mehrzahl der Läden am Ku’damm und in der Tauentzienstraße war nie mit im Boot“, sagt Veranstalter Erbe. Inzwischen fehlen ihm auch langjährige Partner wie das KaDeWe, Wertheim am Kurfürstendamm, das Neue Kranzler-Eck, Adidas, Hugendubel und das Design-Center Stilwerk in der Kantstraße. „Das Konzept hat uns nicht überzeugt, die Veranstaltung ist nicht hochwertig genug“, sagte KaDeWe-Sprecherin Isabelle Kübler. „Wir sind aber immer offen für gute neue Konzepte.“ Zuletzt hatte sich das Warenhaus im Frühjahr 2007 beteiligt, seitdem bedient es seine Kunden während der Shoppingnächte eigenständig bis 24 Uhr – ebenso wie Wertheim.

Auch das Adidas-Sporthaus in der Tauentzienstraße wollte diesmal auf eigene Faust bis zur Geisterstunde verkaufen und dabei ein neues Trainingskonzept vorstellen. Den Alleingang begründete Geschäftsleiter Boris Gast damit, dass man in der Vergangenheit „eine Menge Geld für Veranstaltungen wie Modenschauen in die Hand genommen“ habe, sich dies im Umsatz „aber nie so richtig niedergeschlagen hat“. Darüber hinaus sei die Shoppingnacht „verflacht“ und von „Bratwurstbuden“ geprägt. Ähnlich sieht es Claudia Ordelmans von Hugendubel, die den „Jahrmarktcharakter“ bemängelt. Zudem seien spätabends immer weniger Kunden gekommen. Vermutlich liege dies daran, dass „ständig viele Einkaufscenter bis abends und am Sonntag öffnen“.

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