Berlin : Claqueure unerwünscht

Ralf Rother ist neuer Generalstaatsanwalt Über Geldnot will der 54-Jährige nicht klagen

Katja Füchsel

Direkt gegenüber, im Büro des Berliner Generalstaatsanwalts, lebte es sich weitaus mondäner: zwischen den Holz getäfelten Wänden, der Ledergarnitur und dem mächtigen Schreibtisch. Seit Jahresanfang ist Ralf Rother der oberste Ankläger der Stadt, doch dem neuen „General“ wäre es komisch vorgekommen, es sich da drüben schon gemütlich zu machen. Wo doch sein Vorgänger erst heute offiziell im Kammergericht verabschiedet wird: „Das ist eine Frage des Respekts“, sagt der 54-Jährige. Auf dem Tisch steht Kaffee für den Besuch, Rother, groß und schlank, trinkt lieber Tee.

Viele, viele weiße Namensschilder, angeordnet in Form von Pyramiden – die Wand in Rothers Rücken mag nicht spektakulär wirken, doch man sollte sie gut im Auge behalten. Denn in die Personalschilder ist Bewegung gekommen, derzeit findet in der Staatsanwaltschaft so etwas wie ein Generationswechsel statt: Der neue „General“ ist schon da, es fehlt noch sein Stellvertreter, ein Chef fürs Landgericht, ein Vize, drei Hauptabteilungsleiter… In eine Art Einkaufsrausch ist Rother deshalb nicht verfallen. „Ich kann mir meine Mannschaft nicht selbst zusammenschnitzen“, sagt der gebürtige Berliner. Entscheidendes Kriterium für eine Beförderung sei laut Rechtsprechung noch immer die Personalakte, und die endgültige Entscheidung für die zu vergebenen Chefposten fällt ohnehin die Justizsenatorin. Was durchaus sein Gutes haben kann, sagt Rother. „Ich brauche auch kritische Geister, nicht nur Claqueure.“

In der als jung geltenden Berliner Staatsanwaltschaft geht derzeit Hoffnung um, auf einen Anfang, frischen Wind und neue Ideen. Tiraden über fehlendes Geld und Personal wird man vom neuen Chef-Ankläger vorerst nicht hören. „Man muss versuchen, die knapper werdenden Ressourcen aufzufangen“, sagt Rother, „beispielsweise durch bessere Motivation der Mitarbeiter und den verstärkten Einsatz von Informationstechnologie.“

Schicksal, Glück, Zufall, politische Konstellationen – das ist das Zeug, das aus dem Staatsanwalt Rother den General machte. Sagt Rother. „Naja, ein bisschen hat natürlich auch die Leistung damit zu tun.“ Und ganz bestimmt der ehemalige Vorsitzende Richter Hans-Joachim Heinze: Er war es, der 1988 den jungen Staatsanwalt Rother zu einem Ausflug auf die Richterbank überredete und zu seinem Beisitzer machte. Er war es auch, der 1990 – auf Wunsch von Justizsenatorin Jutta Limbach (SPD) – Generalstaatsanwalt am Landgericht wurde und Rother zu seinem Stellvertreter auserkor. Seitdem wirkte der Vater zweier Kinder eher aus dem Hintergrund, spezialisierte sich auf IT, Verwaltungs- und Personalmanagement. „Ich bin da so reingewachsen.“ Jetzt ist die Zeit für den Umzug gekommen: nach vorne in die erste Reihe und ins Büro nebenan.

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