Clubleben : Mahlzeit? Partyzeit!

In Schweden tauschen Büromenschen regelmäßig Kantine gegen Tanzfläche. Nun soll es auch in Berlin die erste Mittagspausen-Disco geben.

von und Annika Sartor
Auszeit vom Büroleben. So stellt man sich die klassische Mittagspause eigentlich nicht vor, aber so könnte sie dank „Lunch Beat“ bald aussehen.
Auszeit vom Büroleben. So stellt man sich die klassische Mittagspause eigentlich nicht vor, aber so könnte sie dank „Lunch Beat“...Foto: dapd

Beats statt Bratkartoffeln, Bauch weg statt Bauch voll: Wer am 29. Mai auf den Gang in die Kantine verzichtet, kann den Mittagstisch gegen pumpende Bässe und Disco-Scheinwerfer tauschen. 60 Minuten lang wird im „Frannz Club“ in Prenzlauer Berg aufgelegt. Auf dem Programm steht Elektro-Musik, Alkohol und Gespräche über den Job sind tabu – so lauten die Regeln. Wenn die Musik aus ist, geht es zurück an den Schreibtisch.

„Lunch Beat“ heißt die Party in der Mittagspause. Die schwedische Projektentwicklerin Molly Ränge hat sie erfunden: „Wenn ich abends feiern war, fand ich es sehr frustrierend, morgens zur Arbeit zu gehen. Ich dachte mir: Warum können wir nicht einfach mittags Party machen?“ Im Juni 2010 organisierte die 28-Jährige den ersten Lunch Beat: eine Stockholmer Tiefgarage, ein Laptop, eine Box, 14 Tanzwütige. Mittlerweile treffen sich in der schwedischen Hauptstadt jeden Monat mehrere hundert Menschen zum Lunch Beat. Von Stockholm aus verbreitete sich die Idee bis nach Los Angeles. Deutschlands erste Pausen-Disco startete Ende April in Hamburg, nun folgt Berlin.

Ola Jannhov, gebürtiger Schwede und professioneller DJ, hat die Business-Disco hierher geholt. Den Anstoß gab sein Steuerberater, der im Januar einen TV-Beitrag über Jannhovs tanzende Landsleute gesehen hatte. „Ihr Schweden seid ja verrückt“, sagte er, „ihr geht sogar in der Mittagspause tanzen.“ Jannhov fand das gar nicht verrückt, die Idee aus der Heimat begeisterte ihn. Für ihn stand fest: „Das mache ich auch in Berlin.“

Die Suche nach einem geeigneten Ort war allerdings komplizierter als gedacht. Zentral muss er sein, „denn ein Chef erlaubt maximal eineinhalb Stunden Mittagspause“, rechnet der 48-Jährige vor. Bleiben 15 Minuten für den Weg auf die Tanzfläche. Da Jannhov vor allem mit Gästen aus der Kreativ- und IT-Branche rechnet, suchte er zunächst an der Friedrichstraße, am Hackeschen Markt, am Schlesischen Tor. Auf einen Aufruf meldete sich schließlich der Frannz Club.

„Kuschelnummern“ werde er garantiert nicht spielen, versichert Jannhov. „Es geht 60 Minuten nur ums Tanzen, ich werde die Leute ordentlich antreiben.“ Auch wenn der Eintritt zehn Euro kostet, steht der Profitgedanke beim Lunch Beat im Hintergrund. „Ich bin froh, wenn ich überhaupt kostendeckend arbeiten kann“, sagt Jannhov. Für die Kantinenflüchtlinge hat er noch einen wertvollen Tipp: „Wer sich im Büro einen Schreibtisch teilen muss, sollte vielleicht ein frisches T-Shirt mitnehmen – Duschen können wir nicht stellen.“

In Berlin sind vorerst drei Lunch Beats geplant. „Mal sehen, wie es funktioniert“, sagt Jannhov. Beim ersten Mal rechnet er mit 50 bis 150 Gästen – in den Club passen dreimal so viele. Die Idee hat Potenzial, findet er. Bald könnte es in Berlin auch mehrere Lunch-Beat-Orte geben, an denen abwechselnd getanzt wird.

Aufs Mittagessen muss übrigens niemand verzichten: Fürs Eintrittsgeld gibt es Wasser und einen Snack gratis – „zum Mitnehmen“, sagt Jannhov, „falls man beim Tanzen nicht zum Essen kommt.“

Lunch Beat, 29. Mai, 12-13 Uhr, Frannz Club in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36. Eintritt 10 Euro. Weitere Lunch Beats am 12. und 26. Juni

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