Berlin : Clustern, bis es kracht

Ex-Senatoren bedenken die Zukunft Berlins

-

Volker Hassemer ist gern Berliner. Wenn der ehemalige CDU-Stadtentwicklungssenator über die Stadt spricht, schwingt Begeisterung mit. Hassemer teilt seine Berlin-Begeisterung mit anderen wichtigen Leuten wie der ehemaligen Bürgermeisterin und Arbeitssenatorin Christine Bergmann sowie dem – manchmal von Berlin enttäuschten – Bahn-Chef Helmut Mehdorn und lässt ihr als Vorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin mindestens einmal jährlich freien rhetorischen Lauf. Am gestrigen Freitag tat er das in einem lichtdurchfluteten Besprechungsraum im Bahntower, 18. Etage, mit weitem Blick auf die Stadt, ihre Größe und Entwicklungsmöglichkeiten. Anlass für Hassemers Ausführungen und die der ehemaligen Bürgermeisterin Christine Bergmann war Klaus Wowereits Regierungserklärung vom Donnerstag. Deren Motto „Weiter so“ reichte Hassemer nicht, Bergmann auch nicht, doch wollte sie das als Wowereits Parteifreundin so nicht sagen. Als wüssten beide, dass Wowereit nichts wirklich Neues sagen würde, hatten sie zum Gespräch geladen, um ihre „Ideen zur Zukunft Berlins zu entwickeln“. Die blieb trotz aller Lichtdurchflutung im irritierend dreieckigen Bahntower-Besprechungsraum dunkel. In Berlin, so meinte Hassemer, habe man jedenfalls nicht das Problem, „dass nicht schon jede Idee schon mal geäußert worden ist“. Anders gesagt: Es ist alles gesagt, was die Politik und die Stadt voranbringen könnte. Doch zumindest Hassemer und Bergmann finden, Berlin komme zu wenig und zu langsam voran. Bergmann entwickelte deshalb die steile These, die Politik müsse sich zurücknehmen, sich für nur noch teilweise gesellschaftspolitisch zuständig erklären und endlich die „Zivilgesellschaft“ in die Pflicht nehmen. Als gäbe es entsprechendes Engagement nicht längst, schlug Bergmann vor, dass Eltern für den Kindergarten etwas organisieren oder in der Schule vorlesen sollten. Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Günter Stock erklärte, wie die von der Politik immerhin angestoßene „Clusterbildung“ die Medizinmetropole Berlin vorangebracht habe und dass dies auch mit den in Mode kommenden Kultur-Industrien geschehen könne. „Die Stichworte sind da, machen müssen wir es“, sagte Stock. Bergmann sagte allerdings, man bewege sich in diesen Diskussionen „irgendwie im Kreis herum“. wvb.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben