Comedytheater im Admiralspalast : In der Homo-Höhle

Steinzeit geht immer: Nach „Caveman“ und „Cavewoman“ kommt jetzt „Cavequeen“, der schwule Ableger des Theater-Dauerbrenners.

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Männersache. Schauspieler Nik Breidenbach (links) ist die „Cavequeen“, Corny Littmann hat das Stück produziert und führt Regie.
Männersache. Schauspieler Nik Breidenbach (links) ist die „Cavequeen“, Corny Littmann hat das Stück produziert und führt Regie.Foto: David von Becker

Auch noch nicht gewusst. Corny Littmann, nach Jan Fedder der Vorzeige- Hamburger überhaupt, als Chef von Schmidt-Theater und Schmidts Tivoli Unterhaltungskönig der Reeperbahn und Ex-Präsident des FC St. Pauli, ist in Berlin aufgewachsen. Jawohl, nickt der 1952 in Münster geborene Littmann, in Dahlem, immerhin vom 8. bis zum 15. Lebensjahr. Der Vater war Professor für Finanzwissenschaften an der FU. Er könne sich noch genau daran erinnern, wie die Herren Professoren zu Semesterbeginn in den Sechzigern in ihren Talaren in die Universität einzogen. „Das war eine richtig elitäre Kaste.“ Vor ’68 natürlich. Das ist eine unauslöschliche Kindheitserinnerung für ihn.

„Da bist du ja aus richtig gutem Haus“, staunt sein Darsteller Nik Breidenbach. Und das als Tingeltangel-Unternehmer, kann man mal sehen. Schauspieler und Regisseur sind mit der Bahn aus Hamburg rübergekommen, um die Berlin-Premiere des Theaterstücks „Cavequeen“ am Donnerstag im Admiralspalast zu bewerben. Der schwule Ableger des Theaterdauerbrenners „Caveman“ ist made in Germany. Im Gegensatz zum US-Original und der in Südafrika entstandenen Damen-Version „Cavewoman“, die beide seit Jahren in ganz Deutschland und in Berlin aktuell im Admiralspalast rauf und runter laufen. „Cavequeen“ wurde vor vier Monaten am Spielbudenplatz in St. Pauli uraufgeführt. Drei Hausautoren des Schmidt-Theaters haben das von Corny Littmann und dem in Berlin ansässigen Caveman-Veranstalter „Theater Mogul“ produzierte Stück geschrieben.

Eigentlich habe „Cavequeen“ aber mit „Caveman“ gar nichts zu tun, findet der Regisseur. Es sei eine ganz eigenständige Geschichte. Aber sicher, Herr Littmann, wenn man mal davon absieht, dass es denselben Vermarkter und einen ähnlichen Titel hat und eine Einpersonenkomödie ist, in der ein Mann Beziehungskrach und Midlifecrisis nutzt, um Zweisamkeits- und Geschlechterklischees aus der Steinzeit zu beackern. Nur diesmal halt unter homosexuellen Männern, die ihre platonischen Dauerfreundinnen „Gabi“ nennen und zwanghaft die alten Discoknaller „I am what I am“ und „In the Navy“ singen. Diese Weiterentwicklung des Stoffs kann beim Sohn eines Finanzwissenschaftlers, der sich so erfolgreich auf dem Privattheatermarkt behauptet und sogar mal Hamburger Unternehmer des Jahres war, doch eigentlich nur eines sein: der Ausbau einer ökonomisch erfolgreichen Unterhaltungsmarke. Stimmt’s, Herr Littmann?

Was folgt ist Schweigen im Walde und dann ein waidwunder Blick. „In solchen Kategorien denke ich überhaupt nicht“, sagt Corny Littmann ehrlich erschüttert. „Wenn man eine Produktion so ähnlich wie die alte macht, nur weil die gut gelaufen ist, sollte man Versicherungsvertreter werden.“ Gerade in der Unterhaltung müsse man sich trauen, mit Leidenschaft Neues zu machen. Überhaupt Leidenschaft. „Ich war schon mit sieben Jahren Fußballfan, lange bevor ich wusste, dass ich homosexuell bin. Und trotzdem haben sich, als ich Präsident von St. Pauli wurde, alle erst mal darauf gestürzt, dass ich der erste Schwule auf dem Posten bin.“ Tja, so stinknormal wie es Titelheld Sven in „Cavequeen“ findet, schwul zu sein, ist es im wirklichen Leben dann halt doch noch nicht.

Für Littmann und Breidenbach, die beide mit anderen Männern verpartnert sind, selbst natürlich schon. Ein Emanzipations- oder gar Kampfstück sei „Cavequeen“ aber ganz sicher nicht, sagt Schwulenaktivist Littmann, der vor mehr als 30 Jahren auch mal Spitzenkandidat der Hamburger Grünen war. Es sei Unterhaltung, Punkt, aus, findet auch Nik Breidenbach, der häufig in Schmidt-Produktionen spielt. „Wir haben keine Message und schon gar keine Mission.“ Littmann nickt dazu und sagt, er wolle keinesfalls, dass hinterher ein Zuschauer sagt, wie schade, dass ich nicht schwul bin. „Aber umgekehrt auch nicht.“

In Hamburg hätten ihn schon Homosexuelle angepflaumt, dass das ja gar kein schwules Stück sei, rollt Breidenbach ob so viel Borniertheit der eigenen Randgruppe die Augen. „Aber was soll das eigentlich sein: ein schwules Stück?“ Sein Held Sven sei eigentlich nichts anderes als ein liebenswerter Normalo und die Konflikte in schwulen Beziehungen ähnelten selbstredend denen von Heteros. Nur liefert die zeitweilig in die Steinzeit zurückversetzte Tucke Sven die schrillere Show.

Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte, Do 28.2., Fr 1.3., So 3.3., Fr/Sa 29./30.3., jeweils 20 Uhr, ab 21,90 Euro

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