Comic-Porträts von Wolfgang Thierse, Umberto Eco & Co. : Der Anstifter

Alexander Fromm ermuntert andere Menschen zu Comic-Selbstporträts. Wolfgang Thierse und Umberto Eco machten schon mit, Angela Merkel und Neil Young fehlen noch.

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Comic-Begegnung: Alexander Fromms gezeichnetes Alter Ego trifft auf das von Wolfgang Thierse.
Comic-Begegnung: Alexander Fromms gezeichnetes Alter Ego trifft auf das von Wolfgang Thierse.Foto: Alexander Fromm

Das mit Umberto Eco war einfach. Der Schriftsteller und Semiotiker ist bekennender Comicfan und hat neben Romanen wie „Der Name der Rose“ auch Essays über Superman und Charlie Brown geschrieben. Also fand der Italiener es nicht weiter verwunderlich, als ihm neulich bei einer Signierstunde im Literarischen Colloquium am Wannsee der Berliner Comiczeichner Alexander Fromm (38) sein Notizbuch unter die Nase hielt und ihn bat, spontan sein Selbstporträt neben ein Bild zu zeichnen, das Fromm zuvor von sich aufs Papier geworfen hatte. „Er ist ein humorvoller Mann und hat ohne zu zögern mitgemacht“, erinnert sich Fromm.

Das Ergebnis, das dank Kritzelbart dem echten Eco bemerkenswert ähnlich sieht, findet sich auf Fromms Internetseite „Hier Comic!“ zusammen mit fast 50 weiteren Comicbegegnungen, Tendenz steigend. Es ist eine bunte Mischung von Prominenten und Freunden des Initiators, Comiczeichnern und zufälligen Begegnungen. Auch Wolfgang Thierse ist dabei. Krakelig, aber dank Brille und zauseliger Frisur unverkennbar. „Schön, dass ich Nachfolger habe!“, sagt der Comic-Thierse da zum Comic-Fromm.

„Menschen sind origineller, als man glaubt“

Das bezieht sich wohl auf den Anlass, zu dem der Zeichner den Bundestagsvizepräsidenten traf: Fromm ist Mitglied der „Dritten Generation Ostdeutschland“, einer Initiative jüngerer Menschen, die sich als Vermittler zwischen den Generationen sowie Ost- und Westdeutschen versteht. Thierse lernte Fromm bei der Verleihung des Gustav- Heinemann-Bürgerpreises an die Initiative kennen. Ebenso Henning Scherf: Der Politiker sagte, wie auch Thierse, dass er zwar nicht zeichnen könne, machte aber dann doch mit.

Italienisch für Anfänger: Der Zeichner trifft Umberto Eco.
Italienisch für Anfänger: Der Zeichner trifft Umberto Eco.Foto: Alexander Fromm

„Menschen sind oft origineller, als man glaubt“, sagt Fromm. Er genießt vor allem den Moment, wenn sein Wunschpartner den Stift zu Papier bringt und meist Überraschendes dabei herauskommt: „Es ist immer wieder schön, Menschen beim Malen zuzusehen“, sagt er. „Das sind Momente großer Konzentration bei gleichzeitiger Entspannung.“ Die Idee kam Fromm erst vor ein paar Monaten. Auf dem Festival „Comic Invasion“ im April zückte der Künstler und Autor, der unter anderem einen regelmäßigen Strip für die „Kirchenzeitung“ in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet, zum ersten Mal sein postkartengroßes Notizbuch, um andere Künstler zusammen mit sich zu verewigen. Das war ihm lieber als Autogramme oder Fotos, wie sie andere Fans sammeln.

Das Alexikon versammelt Hunderte Beiträge zu berühmten Namensvettern

Die Berliner Zeichner Thilo Krapp, Aisha Franz und Ulli Lust machten den Anfang, die Idee nahm Fahrt auf. So finden sich in der Sammlung inzwischen auch Comic-Dialoge mit den Tagesspiegel-Zeichnern Klaus Stuttmann und Mawil sowie mit der Journalistin Miriam Hollstein, Politikredakteurin bei der „Welt“ und Autorin einer Comic-Biografie von Angela Merkel.

Die Kanzlerin steht noch auf Fromms Wunschliste: „Mich würde interessieren, wie die mächtigste Frau der Welt, die beinahe täglich in Karikaturen verhohnepiepelt wird, sich selbst zeichnet.“ Neil Young, für dessen Musik Fromm schwärmt, fehlt auch noch im Notizbuch, dazu der Asterix-Miterfinder Albert Uderzo sowie Hannes Hegen, dessen Digedags von 1955 bis 1975 die Helden der DDR-Comiczeitschrift „Mosaik“ waren.

Comicfan seit Kindertagen: Alexander Fromm.
Comicfan seit Kindertagen: Alexander Fromm.Foto: Privat

Wenn er nicht gerade andere Menschen zum Zeichnen anstiftet, arbeitet Fromm unter anderem als Autor. Demnächst erscheint „Das Apfelbuch Berlin-Brandenburg“, an dem er mitgearbeitet hat und das Geschichten von 40 Apfelsorten und ihren Züchtern präsentiert. Und dann gibt es da noch das Alexikon – ein Online-Nachschlagewerk für alle, die Alexander oder so ähnlich heißen und dort rund 200 Einträge zu berühmten Namensvettern, Bilder und Anekdoten finden können. Demnächst soll es auch gedruckt als Buch erscheinen. Vor allem aber sammelt Fromm weiter Selbstporträts für „Hier Comic!“ – der Autor dieses Artikels ist als Nächstes dran.

Die Comic-Begegnungen stehen online unter hiercomic.tumblr.com. Und das Alexikon steht hier: alexikon.wordpress.com.

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