Berlin : Computer überfordert: Tausende Autofahrer im Stau

Es sollte nur eine Brandschutzkontrolle des Britzer Tunnels sein. Der Rechner nahm die Meldungen ernst, sperrte die Zufahrten – und stürzte ab

Rainer W. During

Chaos auf der Stadtautobahn: Bei einem Brandschutztest schlossen sich gestern früh die computergesteuerten Schranken des Britzer Tunnels und ließen sich nicht mehr öffnen. Erst nach rund fünf Stunden gelang es, die Rechnerpanne zu beheben. Bis dahin hatten Tausende von Autofahrern während des morgendlichen Berufsverkehrs im Stau gestanden. Verkehrsflieger Ramon Montana schätzte die Passierdauer auf weit über eine Stunde.

Am Montagabend um 21 Uhr war die in Richtung Süden führende 2,6 Kilometer lange Tunnelröhre für Wartungsarbeiten gesperrt worden. Der Verkehr wurde mit Hilfe ferngesteuerter Leitplanken jeweils einspurig durch die andere Tunnelröhre geleitet. Wie die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Manuela Damianakis, bestätigte, gehörte zu den Arbeiten auch die Funktionskontrolle der Brandschutzeinrichtungen. Dabei waren nach Informationen des Tagesspiegels viele Feuermelder probeweise ausgelöst worden. Die Sperrschranken an den Zufahrten blieben dennoch offen.

Um fünf Uhr am Dienstag sollte Berlins längster Autobahntunnel dann planmäßig wieder freigegeben werden. Doch offenbar kam es beim Versuch der Mitarbeiter in der Tegeler Tunnelleitstelle, die Brandmeldungen im Computer zu stornieren, zur Panne. Der Rechner löste die Sperren für beide Fahrtrichtungen aus und stürzte ab. Die Schranken ließen sich daraufhin nicht mehr öffnen und es kam zu kilometerlangen Staus. In Fahrtrichtung Norden gelang es der Polizei zeitweilig, die Autos über die Abfahrt und die Auffahrt Buschkrugallee an der Schranke vorbei durch den Tunnel zu lotsen. In der Gegenrichtung ist eine solche Umfahrung nicht möglich, weil es hier nur eine Abfahrt gibt. Indessen arbeiteten die alarmierten Spezialisten an der Behebung des Schadens. Dabei erwies sich als problematisch, dass die Schrankenanlagen an beiden Tunnelenden von unterschiedlichen Firmen stammen. Zusätzliche Schwierigkeiten gab es, weil sich auch die mobilen Leitplanken nicht ordnungsgemäß zurückfahren ließen. Ein Problem, das laut Ramon Montana häufiger auftritt. Erst um 9.59 Uhr konnte der Tunnel wieder freigegeben werden. Wie es zu der Panne kommen konnte, ist noch nicht endgültig geklärt. Intern hieß es, der Rechner könnte mit der Vielzahl von Brandmeldungen überfordert worden sein.

Verkehrsflieger Montana vom Air Service Berlin berichtete indessen von weiteren Pannen. Rund um die Berliner Allee in Weißensee sorgte gestern früh eine neue Baustelle für Staus mit einer Passierdauer von rund 40 Minuten. Ein Hinweis durch die Verkehrslenkung war nicht erfolgt. Diese warnte dagegen bereits seit Montag vor einer bisher überhaupt nicht vorhandenen Baustelle auf der Treskowallee in Karlshorst. Manche Firmen würden die genehmigte Bauzeit nicht voll ausnutzen und mit den Arbeiten später beginnen, hieß es dazu in der Behörde. Eine Abstimmung des tatsächlichen Baubeginns finde nicht mehr statt. Rainer W. During

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