Berlin : Computer-Unterricht ersatzlos gestrichen

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Entrüstung bei den Eltern der 15. Grundschule in der Corinthstraße: Obwohl über Erhalt oder Schließung der Friedrichshainer Schule noch nicht entschieden wurde, werden die Eltern von Lehrern unter Druck gesetzt, ihre Kinder auf die neu eröffnete Filiale in Alt-Stralau umzumelden. Die Zukunft der Schule in der Corinthstraße hingegen ist unsicher - "nicht wegen sinkender Schülerzahlen", sagt Elternvertreterin Angelika Kalus, "sondern wegen des moderneren Schulneubaus in Stralau, der eigentlich nur ein Nebenstandort ist." In beiden Schulen arbeiten dieselben Lehrer, und die haben nach Eindruck der Eltern keine Lust mehr, für den Unterricht zu pendeln.

Für die Eltern ist das allerdings kein Argument für eine Schließung des Standortes Corinthstraße. Gerade die Gegend um den Rudolfplatz, sagt Kalus, sei aufgrund der Infrastruktur für Familien besonders attraktiv, zumal die umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Oberbaum-City weitgehend abgeschlossen seien und langsam wieder Ruhe einkehre. Sie hat beobachtet, dass in letzter Zeit verstärkt Paare mit Kindern in die zahlreichen modernisierten und leerstehenden Wohnungen einziehen. "Die Schülerzahl und damit der zukünftige Bedarf sind derzeit gar nicht abzuschätzen", sagt die Elternvertreterin. Der Schulweg nach Alt-Stralau sei dagegen zweieinhalb Kilometer lang und zu unsicher.

In einem offenen Brief an alle Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wehren sich die Eltern jetzt gegen das "Mobbing" von Seiten der Lehrer. Die von ihnen mitfinanzierten Computer seien ohne ihre Zustimmung abgebaut und in die Filiale Alt-Stralau gebracht worden. Seitdem gebe es für die Kinder in der Corinthstraße keinen Computer-Unterricht mehr. Die Schulleitung begründet den Umzug mit Sicherheitsmängeln. Nach Angaben von Kalus bekommen Schüler im Unterricht gesagt, "die dummen Kinder bleiben in der Corinthstraße, die Schlauen gehen nach Alt-Stralau." Dort seien auch alle wichtigen Veranstaltungen wie Weihnachtsfeier und Fasching veranstaltet worden. "Da werden vollendete Tatsachen geschaffen", argwöhnt der Bezirksverordnete Ricardo Fonseca (SPD). Die Schule in der Corinthstraße, so vermutet er, soll so unattraktiv gemacht werden, dass eine Schließung nahe liegt. Einen ersten Erfolg konnten die Eltern am Mittwoch verbuchen: Auf der Sitzung der BVV wurde ein Antrag beschlossen, der bis zur endgültigen Entscheidung "keine Veränderungen" an der Schule Corinthstraße fordert.

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