Berlin : Computermusik-Kongress: Digitaler Soundspuk im nächtlichen Podewil

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Keine Regung. Überhaupt keine Anzeichen dafür, dass der Auftritt schon begonnen hat. Mit stoischer Miene blickt Farmers Manual auf die aufgeklappten 15 Zoll des Notebooks, auf dessen Rückseite stolz der Apfel leuchtet. Die einzigen Bewegungen des Electronic Artists auf der Bühne: ein leichtes Spiel mit der Maus, seltener ein Griff zum Effektregler. Sieht so ein Laptop - Virtuose aus?

Zugegeben, einen Popstar mit elegantem Hüftschwung, der gelöst auf seiner Tastatur herumklimpert, erwartet auf den Konzerten, die den Computermusik-Kongress in begleiten, eigentlich keiner. Immerhin lösten auch minimale Korrekturen an den Bildschirmreglern katastrophale Veränderungen des Sounds aus, der als dichte Geräuschkulisse durch das Podewil waberte. Aus einem verhaltenen Surren und Fiepen konnte schnell ein Sound-Feuerwerk entstehen, dass nur Hartgesottene vor den Boxen verharren ließ. Die würdigten indes derartige elektronische Spielarten: Die verbliebenen Zuhörer nickten selbst zu den ekstatischen Passagen der Musik, dabei den Künstler interessiert an- oder über die Schulter schauend. Bis irgendwann ein gewaltiger und langatmiger Bass röhrte, der sie dann doch vertreiben konnte.

Ein nächtlicher digitaler Soundspuk hatte das Podewil am Dienstag fest in seiner Umklammerung. Überall bot sich ein ähnliches Bild: Die Stars der jungen Elektro-Szene jonglierten mit Tönen, Frequenzen, Oszillationen. Fernab von Hörgewohnheiten entlockten sie ihrem Equipment ungewöhnliche "Noisemusic". Sensorband gar spielten an drei Orten und verständigten sich über ein Computernetzwerk. Auf der Großbildleinwand konnte das Publikum die zeitgleiche Bedienung der Software verfolgen. Allein Carsten Nicolai, der als Soundtüftler und Grafiker bereits um die Welt gezogen ist, visualisierte seinen Auftritt. Töne wurden in Grafiksequenzen umgewandelt, die dann als blaue Rechtecke über den Screen wanderten. Ein modernes Spektakel und ein taktvolles Spiel mit der digitalen Welt. Und dieses beherrschte auch Masami Akita aka Merzbow, ein neuer Star in der Szene und erster selbsterklärter Laptop-Artist.

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