Berlin : Concierge und Pool inklusive

Berlin wird immer interessanter für Jetsetter ohne Geldprobleme. Für sie werden luxuriöse Townhouses und Lofts errichtet

Matthias Oloew

Das ist der Traum: Oben angekommen, genießen die Eigentümer einer Penthouse-Maisonnette den Blick – rechts der Hauptbahnhof, dann der Reichstag, die Türme am Potsdamer Platz und ganz links der Fernsehturm. Der Blick ist zwar schon da, aber die schicke Wohnung fehlt noch. Sie zu planen und zu bauen ist eine Aufgabe, die der Architekt Eike Becker als „einen Traum“ bezeichnet. Es ist auch der Traum seines Auftraggebers, des Immobilienentwicklers Orco.

Der möchte aus dem denkmalgeschützten Ensemble aus Gründerzeit-Wohnhäusern und Gewerbehöfen mit gelbem Ziegelmauerwerk an der Fehrbelliner Straße, zwischen Weinbergspark und Arkonaplatz, eine Wohnanlage für ganz gehobene Ansprüche machen. Rainer Bormann, Geschäftsführer von Orco, vermeidet das Wort „Luxus“. Aber das ist es. Tiefgarage, Dachgärten und eine Schwimmhalle mit 20-Meter-Becken und Fitnessräume. In der alten Remise im Hof wird der Concierge platziert, der auf die Wohnungen achtgibt, wenn die kosmopolitische Klientel statt in ihrem Berliner Loft zu entspannen doch lieber die Vernissage in Soho besucht oder die Westküstenvilla in Kalifornien bewohnt.

Das ist der Kundenkreis, den Bormann und Becker ansprechen wollen. Jetset, kunstinteressiert, vermögend, an der Schwelle zu einem Leben frei von Arbeit. Trotzdem soll hier keine Seniorenresidenz entstehen. Einziehen sollen Menschen, die mit Anfang 50 ihr Vermögen an der Börse gemacht oder ihren Betrieb verkauft haben und Wohnungen in New York wie Los Angeles und London besitzen. Geplant sei auch nicht das, was im Englischen als „gated community“ bezeichnet wird, wo die Reichen und Hippen unter sich bleiben. „Wir bevorzugen die Bezeichnung hidden place“, sagt Bormann. Mittendrin, aber unauffällig.

Mit dem Projekt könnte zumindest das tatsächlich gelingen. Denn die Häuserfront zur Straße sieht völlig unspektakulär aus. Erst im Hof wird deutlich, was sich die Herren da vorgenommen haben: rund 150 Wohneinheiten sind geplant, in Appartements, Penthäusern und Townhäusern. Becker hat einen markanten Neubau konzipiert, mit einer geschwungenen Fassade und viel Glas. Investitionsvolumen: ein zweistelliger Millionenbetrag.

„Vor zwei Jahren hätten wir solche Wohnungen nirgends verkaufen können“, erklärt Karl Zeller, Chef-Verkäufer von Orco. Aber das Berlin-Bild habe sich enorm gewandelt, die Stadt sei insbesondere bei seiner Zielgruppe äußerst beliebt. Der Baubeginn des Flughafens Schönefeld habe noch einmal einen Schub bedeutet. „Nicht zuletzt hat auch die Fußball-WM dazu beigetragen“, sagt Zeller. Sie habe das Bild eines euphorischen, freundlichen Berlins um die Welt getragen. Auch Eike Becker glaubt, dass es ihnen gelingt, die ganz reiche Kunst-Klientel anzusprechen. Als Vorstandsvorsitzender der Kunstwerke in der Auguststraße muss er’s wissen. Zwischen 35 und 400 Quadratmeter sind die Wohnungen groß, die hier entstehen. Eingangspreis pro Quadratmeter: 3800 Euro.

Da kann man in der ungleich kleineren, aber fast fertiggestellten Oxford-Residenz auf dem Friedrichswerder günstiger fündig werden. Zwischen 2800 und 3100 Euro kostet der Quadratmeter in dem Neubau nahe dem Auswärtigen Amt, vorausgesetzt man arrangiert sich mit einer Wohnung im ersten Geschoss oder Hochparterre. Die teureren Appartements in dem gediegenen Ambiente weiter oben sind schon alle weg. Im Preis nicht enthalten sind kleine Extras wie der Tiefgaragenplatz oder ein eigenes 23-Quadratmeter-Gärtchen auf dem Dach – zu haben für 3650 Euro pro Quadratmeter.

Die Oxford-Residenz spricht eine ähnliche Klientel an, wie es Orco an der Fehrbelliner Straße versucht. Allerdings interessieren sich die Käufer am Auswärtigen Amt wohl eher für Politik oder die fußläufig zu erreichende Staatsoper als die Galerienszene in der Rosenthaler Vorstadt. Dass aber auch hier fast alle Wohnungen verkauft sind, zeigt: Es gibt einen Markt für Luxuswohnungen in Berlin, auch wenn es nur eine Nische ist. Aber die ist groß genug, um zum Beispiel zehn Stadtvillen am Tiergarten im sogenannten Diplomatenpark en bloc zu errichten.

Am Diplomatenpark baut das niederländische Unternehmen Kondor Wessels, das dort, wie am Köbis-Dreieck, mit dem Berliner Entwickler Klaus Groth zusammenarbeitet. Kondor Wessels baut aber auch das ehemalige Kammergericht an der Charlottenburger Witzlebenstraße um. Ein Luxushotel sollte der denkmalgeschützte Bau einmal beherbergen, doch die Pläne zerschlugen sich. Jetzt werden hinter der eindrucksvollen Fassade Wohnungen errichtet, wieder für eine nicht eben preissensible Klientel. In Charlottenburg darf aber im Gegensatz zu den beiden anderen Projekten gemietet werden – von fast schon bescheidenen 7,50 bis hochpreisigen 18 Euro pro Quadratmeter nettokalt reicht die Preisspanne. 25 Millionen Euro stecken die Investoren nach eigenen Angaben in den Umbau, bei dem die historischen Verhandlungssäle zu maisonettartigen Wohnungen umgebaut werden. Die Wohnräume werden in die alte Bausubstanz hineingestellt – so soll erkennbar bleiben, was alt ist und was neu. Die ersten Mieter sollen noch in diesem Jahr einziehen. Die Klientel: Geschäftsführer, Vorstände und Firmeninhaber …

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