Berlin : Concorde: In Tegel durfte der Überschallflieger seit Jahren nicht mehr landen

du/weso

Acht Berliner und ein Ehepaar aus Potsdam sind bei dem Absturz der Concorde in Paris ums Leben gekommen. Einen Tag nach der Katastrophe am Flughafen Charles de Gaulle trauerte Berlin um die 113 Todesopfer. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe kondolierte den Angehörigen des Paares aus Potsdam. Die Senatsinnenverwaltung wollte die Namen der Verunglückten "aus Rücksichtnahme auf die Angehörigen" nicht veröffentlichen.

Die Concorde war in den vergangenen Jahren mehrfach auch auf Berliner Flughäfen gelandet. Bereits am 17. Januar 1976, wenige Tage, bevor die Concorde offiziell den Flugbetrieb aufnahm, kam eine Maschine der Air France zum ersten Besuch an die Spree. Das Möbelhaus Höffner hatte den Überschalljet als Werbegag gechartert und ließ am Folgetag 100 Berliner als Gewinner eines Preisausschreibens an die Seine fliegen. Schon damals galten für die "Königin der Stratosphäre" strenge Lärmschutzbestimmungen. Da der laute Überschallflug über bewohntem Gebiet verboten war, musste zum Durchbrechen der Schallmauer ein Umweg über die Nordsee geflogen werden.

Auf dem Flughafen Tegel-Nord herrschte damals Volksfeststimmung. Rund 12 000 Menschen waren auf das Gelände geströmt, um einen Blick auf den Supervogel zu erhaschen. Wer Glück hatte und lange genug in der Warteschlange ausharrte, durfte auch einen Blick in die enge Kabine werfen. Bei strengen Sicherheitsvorkehrungen - selbst Handtaschen mussten vorher abgegeben werden.

Erst acht Jahre später, am 1. Oktober 1984, kam eine französische Concorde erneut im Rahmen eines Charterfluges nach Berlin. Am 30. Juni 1985 gab dann auch ein Überschalljet der British Airways mit dem Londoner Bürgermeister und dem Vorstandschef der Gesellschaft sein Berlin-Debut. Wer einen Blick auf den Jet erhaschen wollte, war allerdings auf die Besucherterrasse angewiesen. Weitere Stippvisiten in den folgenden Jahren verliefen wenig spektakulär.

Am 3. Oktober 1991, zum Jahrestag der deutschen Vereinigung, schickte Air France erstmals eine Concorde nach Schönefeld. Hier gab es auch den bisher letzten Besuch vom 19. bis 21. März 1999, wo Interessenten für die 2222 Mark teuren Rundflüge schon tief in die Tasche greifen mussten. In Tegel war zu diesem Zeitpunkt eine Landung schon nicht mehr denkbar, weil dort nur noch Flugzeuge der höchsten Lärmschutzkategorie zugelassen sind, während in Schönefeld zumindest tagsüber noch Ausnahmen gelten.

Die Gegner des geplanten Berliner Großflughafens haben nach dem Absturz die sofortige Aufgabe des Standortes Berlin-Schönefeld gefordert. Sowohl der Bürgerverein Brandenburg-Berlin als auch die Schutzgemeinschaft "Umlandgemeinden Flughafen Schönefeld" wiesen auf die katastrophalen Folgen eines Flugzeugabsturzes für die dicht besiedelten Gemeinden rund um Schönefeld im Südosten Berlins hin.

Hartmut Hopp, Direktionsleiter bei der Berliner Feuerwehr, sagte am Mittwoch: "Wenn ein Flugzeug in dicht besiedeltes Gebiet stürzt, sind wir machtlos". Vorrangiges Ziel der Feuerwehr sei "Schadensbegrenzung an der Peripherie". Ob allerdings aus einem Großschadensereignis eine Katastrophe wird, entscheidet letztlich für das Land Berlin der Innensenator anhand der Folgen eines Unglücks. Nach dem Katastrophenschutzgesetz wird dann eine zentrale Einsatzleitung eingerichtet, in der nicht nur Hilfsorganisationen und Behörden vertreten sind und den Hilfseinsatz leiten, sondern auch die Versorgungsbetriebe wie Bewag, Gasag und Wasserbetriebe. Im Fall eines Flugunfalls werden sämtliche verfügbaren Rettungsfahrzeuge zur Unfallstelle beordert, die Feuerwachen werden dann von den freiwilligen Wehren (62 gibt es in Berlin) besetzt. Krankenhäuser werden benachrichtigt, um ihre Operationssäle und Aufnahmestationen in Bereitschaft zu halten, die Hilfsorganisationen werden alarmiert.

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