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Conrad Lempert aus Potsdam : Mit 14 Jahren ist er Deutschlands jüngster Student

Der 14-jährige Conrad Lempert fängt zum Wintersemester sein Informatik-Studium am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam an. Er hat drei Klassen übersprungen und gerade Abi gemacht - mit 1,2.

Sarah Kugler
Conrad Lempert in einem Hörsaal des Hasso-Plattner-Institut (HPI). Er hat gerade Abi gemacht und wird am 1. Oktober sein Informatikstudium in IT-Systems Engineering aufnehmen. Foto: HPI/D. Lässig/dpa
Conrad Lempert in einem Hörsaal des Hasso-Plattner-Institut (HPI). Er hat gerade Abi gemacht und wird am 1. Oktober sein...Foto: HPI/D. Lässig/dpa

Für Conrad Lempert stand von Anfang an fest: Eines Tages wird er im IT-Bereich arbeiten. Diesem Ziel ist der 14-Jährige nun schneller näher gerückt als gedacht. Denn nicht nur, dass er in diesen Tagen sein Abitur mit der Note 1,2 absolviert hat, er wird im Oktober dieses Jahres auch sein Informatikstudium am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) beginnen. Nach dessen Angaben ist er nicht nur der jüngste Student der Hochschule, sondern auch der jüngste Deutschlands.

Lempert sei unter den 80 besten Bewerbern gewesen, sagte HPI-Sprecher Hans-Joachim Allgaier. „Beim Auswahlverfahren spielte das Alter allerdings überhaupt keine Rolle, die zuständigen Mitarbeiter gehen da wirklich nur nach den Noten und dem eingesandten Motivationsschreiben.“ Der ehemalige Schüler des Potsdamer Helmholtz-Gymnasiums habe allein mit seinen Leistungen überzeugt. Gute Wünsche kamen nicht nur vom HPI-Direktor Christoph Meinel, sondern auch aus den Ministerien für Wissenschaft und Bildung. Beide lobten sich zugleich selbst – für die gute Begabtenförderung in Brandenburg. „Der Erfolg des jungen Schülers ist auch ein Erfolg unserer Schulen“, hieß es.

Lemperts Eltern sowie er selbst mochten am Mittwoch keine Fragen der Presse beantworten, ließen aber wissen, dass die Wahl auf das HPI gefallen ist, weil Studenten dort gut betreut würden. Wie Sprecher Allgaier sagte, gab es bereits im Jahr 2013 erste Gespräche mit dem Jugendlichen. Dabei sei auch darüber gesprochen worden, wie sich ein 14-Jähriger an der Uni integrieren könne. Allgaier habe dahingehend aber kaum Bedenken, da es für alle neuen Studenten, die sogenannten „Ersties“, eine dreitägige Einführung gebe, bei der sich alle erst mal kennenlernen können.

„Mit 80 Leuten sind die Jahrgänge bei uns ja auch relativ klein“, sagte Johannes Wolf vom Fachschaftsrat des HPI und Mitverantwortlicher für die Einführungstage. „Bei unseren Gruppenwettbewerben und Grillabenden lernt man sich da schnell kennen.“ Auch wenn Lempert mit seinen 14 Jahren eine Ausnahme ist: „Minderjährige Studenten sind nichts Neues“, sagte Wolf. Da das Abitur in Brandenburg nach zwölf Schuljahren abgelegt werde, seien viele Studienanfänger erst 17, einige sogar erst 16. Derzeit sind drei Studenten unter 18 am HPI.

Auch wenn die Eltern bei Minderjährigen die Einschreibung in der Uni oder den Mietvertrag fürs Studentenheim mitunterschreiben müssen: „Alles andere, von der Kursanmeldung bis hin zu den Prüfungen können sie aber selbst regeln“, sagt Wolf. „Von daher kann auch Conrad ganz normal seinem Studium nachgehen.“ Die laut Jugendschutzgesetz vorgegebene Regelung, dass 14-Jährige nach 22 Uhr nicht mehr an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen dürfen, betreffe den Unialltag nicht. „Bei abendlichen Unternehmungen kann man ja immer darauf achten, dass es nicht zu spät wird“, sagt Wolf und ergänzt lachend: „Und natürlich auch darauf, dass er noch kein Bier trinkt.“ Abgesehen davon würde es bei der Integration nicht helfen, wenn der 14-Jährige anders behandelt werden würde. „Er soll ein Teil der Gruppe werden, also macht er einfach mit wie alle anderen auch.“

Das sollte dem Jugendlichen nicht sonderlich schwerfallen. Denn seine Eltern teilten noch mit, dass ihr Sohn nach der Einschulung mit fünf zwei Klassenstufen an der Grundschule und eine am Gymnasium übersprungen hat. In der Schule sei er laut seiner Informatiklehrerin Silvia Handke besonders durch seine schnelle Auffassungsgabe aufgefallen und habe den Unterricht mit neuen Fachinhalten bereichern können.

Auch in den Räumen des HPI kennt sich Lempert, der in seiner Freizeit gern Badminton und Klavier spielt oder im Chor singt, schon gut aus. Bereits zwei Mal, sowohl 2013 als auch 2014, nahm er erfolgreich am HPI-Schülerkollegprogramm teil, bei dem Schüler spielerisch an die Informatik herangeführt werden. Conrad hatte in diesem Zusammenhang im Dezember 2013 dem Bundespräsidenten Joachim Gauck bei der Zukunftspreis-Verleihung in Berlin die Hand schütteln und mit ihm diskutieren dürfen. Letztes Jahr gewann er den ersten Preis im brandenburgischen Landeswettbewerb Informatik, in diesem Jahr den zweiten .

Für die Zeit nach dem Studium hat Conrad Lempert auch schon einen Plan: Vielleicht, so ließ er wissen, gründet er ein Start-Up oder startet eine internationale Karriere.

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