Berlin : Contra Tonne: Papiertüten und gute Hoffnung

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Steglitz-Zehlendorf. Ein letzter Schluck aus der Pulle. Dann weg mit der leeren Einwegflasche. Doch wo bis vor kurzem Müllkübel standen, ragen in Zehlendorfs größter Grünanlage, im Heinrich-Laehr-Park, nur noch die Gerippe der Behälteraufhängung in die Höhe. Drumherum liegen Coladosen und Papier auf dem Boden verstreut. Ein Spaziergänger unkt: „Wenn wir uns jetzt schon keine Mülleimer mehr in öffentlichen Parks leisten können, na dann au weia…“

Aber „es geht nicht so sehr ums Sparen“, erklärt Detlev Ronnisch (SPD), der Vorsitzende des Umweltausschusses der Steglitz-Zehlendorfer BVV: „Ich glaube, diese Aktion wird die Bürger umweltbewusster machen. Wir haben die Leute im Blick, die am Wochenende an die Krumme Lanke oder den Schlachtensee kommen, und natürlich viel späteren Müll mitbringen. Doch gerade in der Mitte von Grünanlagen muss es weiterhin Papierkörbe geben. Da müssen wir die richtige Balance finden.“

In der ersten Zeit würden an die Erholungssuchenden von Naturschützern Papiertüten verteilt, sagt Wirtschaftsstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD). „Wir gehen von vier bis sechs Wochen Gewöhnungszeit aus.“ Auch Cornelius Plappert von den Grünen ist optimistisch: „Ich denke nicht, dass es den Leuten gefällt, wenn ihr Park eingesaut ist.“

Gisi Grigoleit von der CDU, die stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses, erwartet dagegen nicht allzu viel vom Verantwortungsbewusstsein der Parknutzer: „Wenn ich mir ansehe, was zu Pfingsten gelaufen ist – das kann’s nicht sein! Es ist doch naiv, zu glauben, man könnte die Menschen dadurch zu mehr Umweltbewusstsein erziehen.“ Auch an den finanziellen Effekt mag Grigoleit nicht recht glauben. „Mir soll keiner erzählen, dass man 500 000 Euro spart, indem man die Papierkörbe wegnimmt.“

Ganz so wurschtig immerhin scheinen die Zehlendorfer mit ihrem Heinrich-Laehr-Park nicht umzugehen: Nur ganz vereinzelt liegt dort mal eine Flasche herum oder ein altes Butterbrot. Frank Thadeusz

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