Berlin : CONTRA von Brigitte Grunert

Ach, das könnte schön sein, das Neuland aus Berlin und Brandenburg. Kluge Köpfe werkeln seit 1990 daran. Man muss nur aufpassen, dass es nicht zur Fata Morgana wird. Wenn es denn den Triebkräften für die Fusion dient, darf man sich, wie in der Vorfreude auf ein Baby, gern den Kopf zerbrechen, wie das Land heißen soll. Doch Preußen ist, mit Verlaub, eine Schnapsidee, ganz unpreußisch unvernünftig. Und wie undiplomatisch!

Zum Thema Ted: Soll ein gemeinsames Bundesland den Namen Preußen erhalten? Wollen wir uns mit der preußischen Kulturerbschaft übernehmen, die doch der Bund bezahlen soll? Zu Preußen gehörte gut die Hälfte des Reichsgebiets. Wem wollen wir denn damit einen Schreck einjagen? Den Rheinländern? Sie standen gar nicht gern unter Preußens Fuchtel. Das klang erst vor ein paar Jahren im Streit um den Hauptstadtumzug nach. Oder wollen wir die Polen und die Russen erschrecken? Preußens Ostprovinzen Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Posen, Schlesien und Brandenburgs Neumark waren einmal. Vorbei. Wie wäre es mit dem Namen Restpreußen? Aber nein, passt auch nicht.

Preußen ist tot. Historiker mögen darüber streiten, ob es schon zur Reichsgründung 1871 in Agonie lag. Jedenfalls wurde die Sterbeurkunde am 25. Februar 1947 von den Siegermächten nachgereicht. Tote kann man nicht in diese Welt zurückholen, sondern nur mehr oder minder schmerzlich betrauern. Das neue Bundesland soll leben, aber bitte nach der Facon des 21. Jahrhunderts. Preußen hat mit seinen Tugenden und Untugenden, seiner Größe und seinen Schwächen den Ehrenplatz, der ihm gebührt: in der Geschichte und sonst nirgends.

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