Berlin : Cookies

Johanna Lühr

Im Januar hat ja das neue Cookies in der Friedrichstraße aufgemacht, und alle sind fast durchgedreht. Manche sollen sich zu diesem Anlass sogar extra neu eingekleidet haben. Warst du schon im neuen Cookies? Das „neu“ ist in dem Fall der Clou, weil das bedeutet, dass man auch schon die vorherigen Standorte des Clubs kannte: Cookies Nummer eins, zwei, vier oder sechs, keine Ahnung. An der Cookies-Anzahl kann man den Zugezogenen von dem Gerade-Zugezogenen unterscheiden. Sei’s drum, jedenfalls ist es jeden Dienstag und Donnerstag meistens voll hier. An dieser Stelle ganz kurz für alle, die das Neue noch nicht kennen: Es gibt zwei Bars und dazwischen eine Tanzfläche, die Decken sind sehr hoch und die Wände holzvertäfelt, klassisch, schön, aber nicht geleckt. Es ist großzügig, aber nicht Großraum. Nicht zu schick und nicht zu sperrmüllig. Man kann sich hier gut amüsieren. Warum bloß?

Der Besitzer nennt sich fast wie sein Laden, oder umgekehrt: Cookie. Am Nachmittag hat er kurz Zeit. Es ist ja ganz komisch, geht man in einen Club mal bei Tage hinein. So wie der Moment nach einer durchtanzten Nacht am Morgen, wenn die Lichter angeschaltet werden und alles Rauschhafte in sich zusammenschrumpft. So ist das auch hier, tagsüber sieht das Cookies viel, viel kleiner aus: die Tanzfläche ein paar Schrittchen, die Gläser auf der Bar abgedeckt, die Sofas sauber grün, und überhaupt grün, das wusste man ja vorher gar nicht. Ein leiser Club ist so wie ein entleerter Swimmingpool. Cookie würde in dem Fall am Rand sitzen und mit den Beinen baumeln. Man ist erstaunt, wie jung und unverdorben er aussieht, ohne schwarze Augenringe und Furchen, ein aufgeräumtes Jungsgesicht. „Ja, läuft gut“, sagt er, ganz Understatement. Er gehe auch selbst regelmäßig in seinen Club, was nicht selbstverständlich ist, denn er habe sie nicht alle gleich gern gehabt, die Cookies, sagt Cookie. Seine Stammgäste sind ihm treu geblieben, nur ein bisschen in die Jahre gekommen. Die Urgesteine sollen angeblich immer zwischen der linken Bar und den Sofas stehen. Die Neuen überall. Die Zeiten der elitären Underground-Clubs sei sowieso vorbei, sagt Cookie, Schuld haben die Journalisten, die immer sofort darüber schreiben. Genauso, wie sie ihm immer dieselbe Frage nach dem guten Club-Rezept stellen. Das gebe es aber nicht, es müsse halt alles stimmen: Musik (die Dramaturgie, nur alle paar Lieder ein Hit) und Licht (nicht grell, die alten Leuchter aus dem letzten Laden) und Leute (nur höfliche Menschen, keine Gruppen). Irgendwie scheint das aufzugehen. Am Abend ist wieder alles voll, die Musik läuft, die Leute tanzen, die Stimmung ist flackernd und entspannt. Denn bei allem Hype ist das Cookies doch einfach ein guter Club.

Cookies. Unter den Linden/Friedrichstraße, Mitte. Dienstags und donnerstags ab 22 Uhr, Eintritt zehn Euro.

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