Berlin : Cool, Mann

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

Hitzeblasen der politischen Vernunft

Hobbyhistoriker in Stuttgart sind fein raus. Bis Anfang September gibt es im Haus der Geschichte BadenWürttemberg ab 30 Grad „hitzefrei“. Das bedeutet: freier Eintritt für alle, denn „Landesgeschichte ist cool“. Der Schwabe hält eben selbst unter tropischen Bedingungen an seinem Motto „Schaffe, schaffe“ fest, woran sich manch anderer Volksstamm ein Beispiel nehmen könnte.

Übertragen auf aktuelle Berliner Entwicklungen sähe „hitzefrei“ ganz anders aus: „Täglich ab eins macht jeder seins.“ Das Museum mit Bikini-knapper Personaldecke, die Amtsstuben fast verwaist – was immerhin den Bürger der Notwendigkeit enthöbe, zwischen Behördengang oder Schwimmbad entscheiden zu müssen. Eine ganze Nacht, zwischen Verkündigung und Widerruf der frohen Botschaft, schienen derart sonnige Zeiten in der Verwaltung eingekehrt zu sein, durften Betriebsräte aus Unternehmen der freien Marktwirtschaft sich über die amtliche Argumentationshilfe für ihre Hitzefrei-Verhandlungen mit hemdsärmeligen Chefs freuen. Entsprechende Schulregelungen waren ja nur von begrenztem Wert, galten nie für die Oberstufe.

Eine Nacht lang träumten Arbeitnehmer, wie eine Übertragung der Behördenregelung auf sie aussehen könnte. Schweigen wir von den kuriosen Ideen, die nächtens hinter verschwitzten Stirnen ausgebrütet wurden: Die Hoffnungen verdampften wie der Morgentau unter der Augustsonne. Die humane Regung des Innensenators war nicht so gemeint oder galt nur begrenzt oder was auch immer. Jedenfalls gibt es nun doch kein Hitzefrei für Behördenmenschen. Allerdings leider auch keines für überhitzte Senatoren.

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