Berlin : Coole Nacktheit

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Die schon seit Tagen jede Menge Gesprächsstoff liefernde nur an einem Abend stattfindende Performance der New Yorker Künstlerin Vanessa Beecroft beginnt mit Verspätung. Am Himmel über der Nationalgalerie brauen sich schwarze Wolken zusammen, am abgesperrten Vorplatz des Miesvan-derRohe-Baus kommt es am Freitag Abend zu tumultartigen Szenen: Die am Morgen telefonisch versprochene Abendkasse mit Restkarten ist schlicht nicht vorhanden. Viele, die die Installation sehen wollten, kommen nicht hinein und ziehen enttäuscht in die umliegenden Cafés.

Wer eine Karte in den Händen hält, stellt sich in die allmählich um das Glaskunsthaus sich windende Schlange. Ein Hauch von MoMA liegt über dem Platz, nur ohne die gute Stimmung. Die schlechte Organisation der eigentlich Menschenmenge-erprobten Nationalgalerie erzeugt Unmut. Drinnen aber ist es warm, damit die gut hundert nur mit Strumpfhosen bekleideten Frauengesamtkunstwerkerinnen nicht frieren. Wärter achten streng auf den Sicherheitsabstand. Es herrscht drangvolle Enge, doch die Erregung legt sich. Die Nackten im Zentrum des Geschehens bleiben cool. chp

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